Ex-Profi Thomas Gansauge bei Schwaben AC in Chicago

Die Schwaben-Kogge

Schon lange vor Jürgen Klinsmann wurde der amerikanische Fußball von Schwaben geprägt. Damit das so bleibt, setzt man inzwischen sogar auf Küsten-Importe wie Thomas Gansauge.

Schwaben AC

Man kann dem amerikanischen Fußball ja einiges vorwerfen, aber die Vereinsnamen gehören ganz sicher nicht dazu. San José Earthquakes, Colorado Rapids oder Montreal Impact machen einfach schwer etwas her. Nur Puristen mit der Fantasie eines Radiergummis ziehen da ein klassisches »Spielvereinigung« vor. Im Amateurbereich der USA allerdings wandelt sich das Blatt. Während sich der MLS-Klub Chicagos noch ein schmissiges »Fire« anheftet, ist der Blick in die unteren Ligen des Großraums Chicago zugleich auch ein Blick zurück auf die (Einwanderer-)Geschichte des Landes. Und so finden sich dort Vereine wie Chicago Croatian, Chicago Sparta oder der Schwaben AC.

Ein US-Meister aus Deutschland

Der wurde 1926 als Fussball Club Schwaben gegründet; von zwölf eingewanderten Schwaben und einem Bayern. Und schon ging es gegen die wie Pilze aus dem Boden schießenden Immigranten-Vereine des Großraum Chicagos. Womit die amerikanischen Regionalmeisterschaften der dreißiger und vierziger Jahre nichts weniger als Miniatur-WM's waren: Schwaben AC gegen die Swedes oder Vikings und Slovaks. Und der Verein mit den schwäbischen Wurzeln war besonders erfolgreich. Nur zwei Jahre nach seiner Gründung spielte er bereits in der höchsten regionalen Liga. 1933 folgte mit einem Sieg über die Swedes der erste Meisterschafts-Titel einer deutschen Fußball-Mannschaft in den USA überhaupt. Und der Erfolg hielt an. Bis mitten in die fünziger Jahre hinein folgten unzählige Meisterschafts- und Pokaltriumphe. Erst mit der Gründung zweier Profi-Ligen 1967 verloren die regionalen Wettkämpfe allmählich ihre Bedeutung. Und der Schwaben AC, der längst auch über eine Schwimm-, Bowling- und Skiabteilung verfügte, besann sich zunehmend auf den Breitensport. Das tut der Verein bist heute und das noch immer im Bemühen, die schwäbisch-deutschen Wurzeln zu pflegen. 

Dabei helfen soll ausgerechnet ein Junge von der Küste — Thomas Gansauge. Der Ex-Bundesligaprofi von Hansa Rostock und Arminia Bielefeld lebt seit nunmehr fast zehn Jahren in der »Windy City«, hat eine Fußball-Academy gegründet und arbeitet beim Schwaben AC als Director of Coaching. Wir sprachen mit ihm über deutsches Bier, die Stärken amerikanischer Talente und Sonnenstudios.

Thomas Gansauge, wie kommt ein Hanseat nach Chicago?
Das kam durch einen ehemaligen Mitspieler bei Rot-Weiß Erfurt, Jakub Lisek. Der hatte amerikanische Wurzeln und war nach Chicago gewechselt. Ich habe ihn dann einfach mal besucht, noch als aktiver Fußballer. Und dabei den Entschluss gefasst, dass ich nach meiner Karriere für ein paar Monate rübergehe, richtig Englisch lerne und mir das Leben dort anschaue.

War das nach den Stationen in Rostock, Bielefeld oder Erfurt nicht ein sehr großer Kulturschock?
Ich fühlte mich schon immer zu großen Städten hingezogen, habe lange in Hamburg gelebt, war oft in Berlin. Von daher war es keine große Umstellung. Zumal Chicago ziemlich europäisch ist.

Was haben Sie während Ihrer ersten Zeit in Chicago getrieben?
Ich habe mich im College eingeschrieben, für sechs Monate ein Studentenvisum bekommen und gleichzeitig meine A-Lizenz gemacht. In der Zeit habe ich mich nicht nur in die Stadt verliebt, sondern auch gesehen, dass hier ein enormes Potential vorhanden ist, etwas als Fußballtrainer zu bewegen.

Und was haben Sie mit Ihren drei Sonnenstudios gemacht, die Sie geführt haben? Sie waren immerhin der ungekrönte »Sonnenkönig von Rostock«!
(Lacht) Aus dem Geschäft bin ich schon 2001 ausgestiegen, als ich nach Bielefeld gewechselt bin.