Ex-Graz-Präsident Hannes Kartnig

Der letzte Pate

Hannes Kartnig führte Sturm Graz in Europas Top 16 — und gleichzeitig in den finanziellen Ruin. Dafür ging er zuerst in den Knast und nun in die Privat-Insolvenz.

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Er liebte die große Inszenierung: Als Hannes Kartnig mit »seinem« Klub Sturm Graz zwischen 1998 und 2001 dreimal in der Champions League spielte, fuhr er vorzugsweise im offenen Rolls-Royce am Stadion vor — seinen Hals umwehte ein weißer Kaschmirschal, im Mundwinkel steckte eine kubanische Edelzigarre. Was waren das für furiose Auftritte damals mit Stars wie Franco Foda, Markus Schupp und Ivica Vastic.

Sturm feierte grandiose Siege über Galatasaray Istanbul, die Glasgow Rangers oder AS Monaco. 2000/01 erreichte der Underdog aus der Steiermark sogar die zweite Gruppenphase und sonnte sich im Glanz großer Gegner wie ManUnited oder Valencia. Präsident Kartnig wiederum sonnte sich im Glanz »seines« Vereins. Dass dessen Erfolg in Wahrheit nur ergaunert war, die teuren Spieler mit massiven Schwarzgeld-Zahlungen finanziert — wen kümmerte das damals schon?

Mittellos? Egal!

2014 war das Fußball-Märchen längst vorbei. Alles war aufgeflogen, die Steuerschuld des Klubs gewaltig. Sturm Graz hatte bereits 2006 ein schmerzhaftes Konkursverfahren angestrengt, in dessen Verlauf jede Menge abenteuerliche Dinge ans Tageslicht gekommen waren. Doch Kartnig, in dieser Angelegenheit zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, zelebrierte noch immer den großen Auftritt.

Er besuchte eine Premiere der Puccini-Oper »Tosca« in Graz und ließ sich an seinem 63. Geburtstag in einem Wiener Edelrestaurant hofieren. Dass er zu diesem Zeitpunkt eine elektronische Fußfessel trug, weil er seine Haft als Hausarrest abbüßen sollte, war ihm wurscht. Der Patron, der in verschiedenen Steuer- und Betrugsverfahren insgesamt fünfeinhalb Jahre bekam, musste den Rest im Knast absitzen. Ende September 2017 wurde Kartnig schließlich entlassen – als mittelloser Mann, wie er durchklingen lässt. Doch auch das scheint ihn kaum zu stören.

Fehlen Gauner wie er?

Hannes Kartnig hatte seine große Zeit. Und er hat sie in vollen Zügen genossen. Früher präsentierte er Besuchern in seiner Luxusvilla gern sein gigantisches Hai-Aquarium und ließ ihnen Schampus kredenzen. Rückblickend sagen viele: Kartnig war der letzte echte Fußball-Pate im deutschsprachigen Raum. Und vielleicht sind es auch Typen wie er, die den Kritikern des modernen Profitums so sehr fehlen.

»Heute gibt es keinen mehr, der Fußball so verkauft«, tönte Kartnig unlängst in einem Interview mit der »Kleinen Zeitung«. Und irgendwo hat er Recht. Kann man sich etwa vorstellen, dass in Zeiten wie diesen noch ein Vereinspatron im Rolls-Cabrio und mit dampfender Havanna vorfährt? Und: Wäre es heute noch möglich, dass jemand einen Provinzklub wie Sturm Graz in die Champions League führt?