Ex-Bundesligaspieler verliert Prozess gegen MLS-Team

»No fucking water!«

Der Beschuldigte räumt vor Gericht die Kloppe zwar unumwunden ein, versteht aber die ganze Aufregung nicht. Schließlich seien Teambesitzer Nick Sankiewicz die Aufnahmen auf dem Smartphone gezeigt worden, mit großem Erfolg. Der Boss hätte sich köstlich amüsiert, stützt der ehemalige Sportdirektor von Union, Diego Gutierrez, Nowaks Aussage. Ein bisschen Spaß muss schließlich sein.

Nicht ganz so lustig fand der Verein anscheinend weitere, nennen wir sie grenzwertige Trainingsansichten von Hitman Piotr. Zum Beispiel, dass er seine Jungs knapp 20 Kilometer in der prallen Sonne laufen ließ - auch Verletzte, ist schließlich ein Männersport -  und ihnen dabei das Wassertrinken verbot. »No fucking water«, so die fachkundige Anweisung an seine Assistenten, denn: »Durch Wasser verliert man den Fokus.« Der hat mal Bundesliga gespielt, der muss es wissen.

Gehirnerschütterungen? Was soll das sein?

Als sportmedizinische Sensation wird Nowaks Erkenntnis die Fachwelt erbeben lassen, dass es Gehirnerschütterungen de facto nicht gibt. Die Anwälte des Vereins notierten, Nowak habe darauf verwiesen, dass es diese Verletzung »in Deutschland nicht gab.« Dort habe man eine Tablette dagegen bekommen und weitergemacht. Sollen sich doch die verweichlichten Amis mal nicht so aufregen. Nowak konnte sich später vor Gericht nicht erinnern, je solche Aussagen gemacht zu haben. Er gab aber zu, das von der US-Liga MLS vorgesehene Protokoll zum Umgang mit Gehirnerschütterungen bei Profis nicht zu kennen.

Ein Kicker, der sich bei der Spielergewerkschaft über Nowaks rauen Umgang beschwerte, wurde umgehend und regelwidrig an einen anderen Klub abgegeben. Er hätte sich doch zunächst direkt an den Trainer wenden können, entgegneten Nowaks Anwälte. Wie der Beschuldigte dann reagiert hätte, davon konnten sich die wenigen Zuschauer der MLS im April 2012 selbst ein Bild machen. Beim Spiel seiner Union gegen Chivas USA lief Edelfuß Piotr nach einem Foul an der Seitenlinie aufs Spielfeld und legte zünftig selbst Hand an beim Gegner. Nach einer kurzen Rangelei sah er die Rote Karte, wenige Wochen später kam ihm die Kündigung des Vereins ins Haus.



So nicht, dachte sich der Geschmähte und zog vor Gericht. Philadelphia Union habe keinen Grund, ihn zu feuern, außerdem stehe ihm noch Gehalt zu. Rückblickend betrachtet war Nowaks Schritt vor den Richter, naja, nicht ganz so erfolgreich. Seine Punkte wurden abgewiesen, stattdessen verurteilte ihn Richterin Margaret Brogan zur Rückzahlung von 100.000 Dollar und Begleichung der Anwalts- und Gerichtskosten von 450.000 Dollar, wie das Internetportal »Philly.com» berichtet. Und: Brogan gab die Gerichtsakten frei. Kalte Dusche für Punching Piotr.