Europa-League-Play-Offs: Gladbach, Sarajevo, Dresden

Knapp die Hälfte kommt aus Dresden

Etwas über 350 Tickets wurden laut unseren Recherchen vom FK Sarajevo an die Dresdener Ultras abgetreten – und allesamt verkauft. Im Mönchengladbacher Polizei- und Vereins-Umfeld rechnet man mit bis zu 400 Dresdener Gästen. Borussia-Pressesprecher Markus Aretz erklärt die Karten-Konstellation: »Der FK Sarajevo hat von uns 1500 Karten erhalten und davon etwa 800 verkauft.« Das heißt im Umkehrschluss: Knapp die Hälfte der anreisenden Gästeanhänger kommt aus Sachsen. Dass mehrere Hundert Fans eines dritten Vereins einem Europa-League-Spiel beiwohnen, ist zumindest in Deutschland wohl ein Novum. Die übrig gebliebenen 700 Tickets aus dem bosnischen Kontingent sollen an der Abendkasse verkauft werden. Für interessierte Sarajevo-Anhänger, in Deutschland lebende Bosnier oder eben auch mitreisende Dresdener.

Doch nicht jeder sieht dem Besuch der Reisegruppe aus Sarajevo und Dresden entspannt entgegen. Die Rheinische Post garnierte den Bericht über die anreisenden Dynamo-Fans mit dem Zusatz: »Die gelten als besonders gewaltbereit.« Einige andere Stimmen warnen ebenfalls, die Dresdener könnten die Bühne des internationalen Geschäftes nutzen wollen, um Krawalle anzustiften, für die ihr Verein nicht aufkommen muss. In Dresden kann man solche voreiligen Erwartungen nur schwer verstehen. Aus Vereinskreisen heißt es, die Fahrt der Ultras nach Sarajevo sei ein reiner Freundschaftsbesuch. Man glaubt nicht, dass es wirklich zu Ausschreitungen kommt.

»Die kennen ihre Pappenheimer«

Die Mönchengladbacher Polizei will sich auf solche Aussagen allerdings nicht verlassen. Sprecher Willy Theveßen wiegelt ab: »Wir haben das im Auge. Dass sich die Dynamo-Fans angesagt haben, ist außergewöhnlich. Auf diese Situation hätten wir gerne verzichtet.« Unterstützung erhalten die Gladbacher Polizei-Kräfte durch szenekundige Beamte aus Dresden. »Die kennen ihre Pappenheimer und haben sie im Auge«, so Theveßen.

Um die angespannte Sicherheitslage zu beruhigen, wurde den Fans des FK Sarajevo angeboten, sich frühzeitig am Stadion zu treffen, um sich gemeinsam auf das Spiel einzustimmen. Ob die Bosnier das Angebot annehmen, ist noch unklar. Die Polizeipräsenz wird jedenfalls im gesamten Stadtgebiet erhöht. Sie ist nach Angaben der Behörden zwar geringer als bei einem Derby gegen den 1. FC Köln, aber höher als bei einem normalen Bundesligaspiel. Sorgen bereitet den Sicherheitskräften, dass sie nicht genau einschätzen können, wie die Gladbacher Fans auf den Besuch aus Sarajevo und Dresden reagieren. Die aktive Fanszene der Borussia trifft sich bereits um 12 Uhr auf dem Alten Markt in der Altstadt – über acht Stunden vor dem Spiel.