Eto´o oder Ibrahimovic: Wer ist besser?

Besondere Brechstangen

Wenn am Mittwochabend im San Siro Inter Mailand und der FC Barcelona aufeinandertreffen, ist das auch ein Duell zwischen Samuel Eto´o und Zlatan Ibrahimovic. Es stellt die sich ewige Frage: wer von beiden ist besser? Eto´o oder Ibrahimovic: Wer ist besser? Carles Puyol musste einen sehr weiten Weg aufnehmen, ehe er seine Glückwünsche in Form eines seichten Schulterklopfers abliefern konnte. Wie üblich war der Abwehrchef vom FC Barcelona tief in der eigenen Hälfte über den Rasen getigert, immer auf einen schnellen Konter des Gegners lauernd. Jetzt aber durfte selbst der Kapitän ruhigen Gewissens die Mittellinie überqueren, es galt schließlich einen Neuling zu begrüßen.

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Zlatan Ibrahimovic, 1,92 Meter, Stürmer, Schwede, hatte mit einem Flugkopfball sein erstes Tor für den neuen Klub geschossen. Das 3:0 gegen Sporting Gijon in der 83. Minute war Ibrahimovic´ Begrüßungspräsent für die erfolgsverwöhnten Zuschauer im weiten Rund des Camp Nou, die nichts anderes von ihrem teuren Neuzugang erwarten: Tore. Dafür wurde er aus Mailand zum Champions-League-Sieger transferiert und dafür hatte sich auch Carles Puyol auf den Weg gemacht, um seine Glückwünsche zu überbringen. Die ganze Mannschaft herzelte den neuen Offensivmann, der einen alten Bekannten im Kosmos Barca ersetzen soll.

Samuel Eto´o. Fünf Jahre lang das Bindeglied zwischen Mittefeld und Angriff im variablen Spiel des FC Barcelona. 200 Spiele, 130 Tore. Öfter haben für den amtierenden spanischen Meister nur Cesar Rodriguez und Laszlo Kubala getroffen. Zweimal Champions-League-Sieger, drei Meisterschaften, ein Pokalsieg. Alles mit dem Klub aus Katalonien. Im Sommer 2009 war die erfolgreiche Liaison zwischen dem Kameruner und Barcelona beendet. Sie wollten ihn nicht mehr. Sie wollten Ibrahimovic.

»Barca ist nervös geworden«

»Barca ist nervös geworden«, schätzt Journalist Ronald Reng die Transferpolitik des Klubs ein, »jeden Tag kam eine neue Sensationsmeldung aus Madrid: Ronaldo da! Kaka da! Benzema da! Im Sommer hast du gedacht, Barcelona hat das Tripple vor circa 20 Jahren gewonnen.« Auch in Barcelona sehnten sie sich plötzlich nach namhaften Neulingen. Nach langem finanziellen Gezerre einigten sich Inter und Barca auf einen monströsen Spieler-»Tausch«. 46 Millionen Euro überwies Barcelona an den italienischen Meister, gab zusätzlich noch Eto´o ab, und bekam für das Gesamtpaket den schwedischen Auswahl-Stürmer Zlatan Ibrahimovic.

Was war dieser Wechsel wert? Journalist Reng, seit Jahren in Barcelona wohnhaft, ist skeptisch: »Meiner Meinung nach passt Ibrahimovic deutlich schlechter zu Barcelona, als Samuel Eto´o.« Der Schwede, so Reng, habe bislang noch nicht zeigen können, »dass er den spielmachenden Stürmer mimen kann. Ibrahimovic spielt sehr unsaubere Pässe, bei der Ballannahme hat er Probleme.« Vorgänger Eto´o war für sein extrem schnelles, extrem variables Spiel im Sturmzentrum bekannt. Flankiert von außergewöhnlichen Außenstürmern, wie Messi, Henry oder zuvor Ronaldinho, schaffte Eto´o das, was Barcelona in den vergangenen Spielzeiten so gefährlich machte: er riss Lücken im Offensivzentrum, zog die Innenverteidiger mit und bot den schnellen Kollegen von rechts und links somit die nötigen Freiräume. »Das Spielfeld aufmachen«, nennt Reng das. Diese Option besitzt Barcelona zwar auch mit Ibrahimovic, so viel Tempo wie Eto´o besitzt der aber nicht.

Der Hauptverantwortliche an dieser Diskussion wird das ganz sicher beachtet haben, als er im Sommer darauf drängte seine Angriffsspitze auszutauschen. Josep Guardiola, seit Mai 2008 Trainer in Barcelona, wollte neue Möglichkeiten, jetzt hat er sie. In seinem Zentrum steht nun ein 1,92 Meter große Hüne mit explosiver Durchschlagskraft. Ibrahimovic ist eine besondere Form der Brechstange. Seine exzellente Technik, sein schneller Antritt und eine besondere Form der Spielintelligenz erlauben ihm die Position vielfältig auszulegen: für die in Barcelona handelsüblichen Doppelpässe mit den nachrückenden Mittefeldspielern ist er genauso geeignet, wie für lange hohe Bälle aus dem Halbfeld.

Extrem variabel, flankiert von Genies

Ist er damit besser als Eto´o? »Auf jeden Fall«, bekräftigt Inters Ex-Trainer Roberto Mancini seine Vorliebe für den langen Schweden: »Er ist der beste Stürmer der Welt und jeden erdenklichen Preis wert.« Fabio Capello stößt ins gleiche Horn: »Seine Bewegungen erinnern mich an Marco van Basten.« Der war bereits in den frühen neunziger Jahren dafür bekannt eine ideale Mischung zwischen wuchtigem Stoßstürmer und feinfüßigem Spielmacher zu sein. Wie auch immer die Diskussion um die Qualitäten der beiden Stürmer ausgelegt wird, am heutigen Mittwochabend treffen Eto´o und Zlatan Ibrahimovic erstmals aufeinander. Zwei Tore gelangen dem Neuzugang von Barcelona in der Premiera Division, zwei Tore schoss auch Samuel Eto´o in der Seria A. Auf Weltklasse-Niveau bewegen sich die beiden seit Jahren, die internationalen Erfolge gehen allerdings auf das Konto des Kameruners. Ob Josep Guardiola und der FC Barcelona mit ihre neuen Stürmer einen Spieler gewonnen haben, der nicht nur Tore schießt, sondern auch Titel gewinnt, muss sich erst noch zeigen. Ein erster Schritt wäre der Erfolg gegen Inter Mailand. Trifft Ibrahimovic auch gegen die alten Kollegen, wird sich Carles Puyol sicherlich gerne wieder dazu aufraffen die eigene Platzhälfte zu verlassen.