Erkenntnisse aus dem Ungarn-Test

Wie fit ist Schweini wirklich?

Im linken Mittelfeld ist die Sache eindeutiger: Der Wolfsburger Draxler feierte bereits seinen zweiten Startelfeinsatz infolge und hat die Nase vor der Konkurrenz (Schürrle, Podolski). Im Sturm wiederum bekam Götze zwar den Vorzug vor Mario Gomez und nutzte seine Chance auch durch das Tor zum 1:0 – dennoch läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss hinaus. Die Entscheidung fällt wohl mit der taktischen Ausrichtung für das Spiel gegen die Ukraine. Fest steht hier lediglich: Ein Mario wird’s machen!

 

Die Schweini-Frage

Nun ist klar, was alle schon geahnt haben: Bastian Schweinsteiger wird zum EM-Start nicht von Anfang an auf dem Platz stehen. Der Kapitän (dieses Mal vertreten von Manuel Neuer) feierte zwar sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause, stellte nach dem 22-minütigen Einsatz im »ZDF« aber klar: »Ich glaube eher nicht, dass es am Sonntag für 90 Minuten reicht.«

 

Ohnehin tappt der Beobachter auch nach dem Ungarn-Test weiterhin im Dunkeln, wie weit und fit Schweinsteiger wirklich ist. Unter der Woche hatte DFB-Co-Trainer Thomas Schneider noch freudig erklärt, Schweinsteiger sprühe förmlich vor Spielfreude. Davon war während seines Kurzeinsatzes aber eher wenig zu spüren, auch weil sich beide Teams zu diesem Zeitpunkt nach diversen Wechseln schon im Standfußball-Modus befanden. Schweinsteiger schlug ein paar Pässe, meckerte über ein Foul. Das war’s dann auch.

 

Dabei wäre ein schnelles Comeback des Kapitäns für die junge deutsche Mannschaft extrem wichtig. Er ist einer der wenigen echten Leader und wäre auch als sportliche Alternative gefragter denn je – vor allem weil Sami Khedira zur Halbzeit nach einem Foul des Ungarn Lang ausgewechselt werden musste. Zwar nur eine Vorsichtsmaßnahme, dennoch nicht wirklich beruhigend.

 

Standard-Übungen

Und letztlich waren da noch die Standardsituationen – bis vor der WM 2014 ja eine Dauer-Schwäche der deutschen Nationalmannschaft. Nun scheint sich aber tatsächlich der Trend von Brasilien fortzusetzen: Die kreativen Standard-Ideen von Spielern und Trainern kommen nach intensive Trainingsarbeit in Ascona auch zur Geltung. Vor allem in Halbzeit eins überzeugte das Team mit ruhenden Bällen.

 

Zunächst chippte Kroos einen Eckball auf den ersten Pfosten, wo Müller einlief und verlängerte. Dann fand eine Özil-Ecke punktgenau den Kopf des einfliegenden Rüdigers. Und schließlich zog wiederum Kroos eine Freistoß-Flanke aus dem Halbfeld auf den langen Pfosten, wo Müller dank eines grandiosen Laufweges wartete und den Ball zurück in die Mitte gab. Drei Situationen, dreimal Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Auch wenn letztlich keine der ruhenden Bälle zu einem Tor führte, macht das doch Hoffnung für die wirklich wichtigen Spiele – ab nächster Woche, in Frankreich.