Erinnerungen an Inter-Schalke 2011

Der Ralftraum

Ganz Europa diskutiert darüber, wie hoch die Niederlage von Schalke 04 gegen Real Madrid wohl ausfallen wird. Wir erinnern lieber an jenen 5. April 2011, als Schalke Inter Mailand mit 5:2 zertrümmerte. Glück auf, liebe Schalker!

imago

20:30 Uhr
Man nehme Borussia Dortmund gegen Juventus Turin 1997 und subtrahiere Spielkultur, Finalcharakter und Ottmar Hitzfeld. Oder Inter Mailand gegen Schalke 04 1997, und man ziehe ab: Johan de Kock, Eurofighter, Ronaldo und Huubs stehende Null. Heraus kommt in beiden Fällen: Inter Mailand gegen Schalke 04. Champions League Viertelfinale 2011. Mit Ralf Rangnick und Hans Sarpei. Nie wären wir lieber Guido Knopp, dieser Doc Brown deutscher Talkshows, der jederzeit in die Historie fliehen kann. Fluchtpunkt Vergangenheit. Aber: Die Zukunft gibt es jetzt. Hoffentlich nicht.

20:40 Uhr
Auf Sat.1 wird »der Kracher« (Clemens Tönnies) auch entsprechend angeteasert. Mit Werbung. FilmFilm am Dienstag. Mit Nicole Kidman. Gieselmann reagiert, wie man eben reagiert, wenn man eigentlich einen Kubrick-Film erwartet und stattdessen Schalke sehen muss. Zerbricht die Streichhölzer unter seinen Lidern. Augen zu und durch. Oder wie Matthäus sagen würde: Eyes wide shut. Matthäus eben. Eine Orange ohne Uhrwerk.

1. Minute
Anstoß. »Die Argumentationsdichte in puncto Schalke ist dünn, aber ey!«, so Kommentator Fuß. Aber ey: Tor! Stankovic! 1:0! Wie kam's? Wir sind auf die Super-Slomo angewiesen: Neuer mit der quasi ersten Chance für Schalke, blöd nur, dass er den Flugkopfball in der eigenen Hälfte ansetzt und dann auch noch vor die Füße des Inter-Greises, der läuft nicht weit, kann er ja auch nicht mehr, zieht ab, 50 Meter! Drin! Und wir sind draußen. Kommst du mit, SO4?

3.
»Das 1:0 könnte für Inter vieles einfacher machen«, prophezeit Fuß. Könnte! Wenn Jens Lehmann nicht eine einstwillige Verfügung gegen Fernschüsse erwirkt.

5.
»Was? Raul spielt bei Schalke?«, so Vogelsang, der sich seit einem Jahr das »Bravo-Sport«-Abo nicht mehr leisten kann. »Ich kauf mir'n Trikot! Oder doch was von Hello Kitty. Oder beides! Kannst Du mir Geld leihen? Büüüüüüüüttööööööö!« Hmmm... nö.

7.
An der Seitenlinie: Leonardo. Aber wo sind die anderen Turtles?

9.
Keiner zu sehen. Nicht mal der alte Splinter, die Ratte. Aber ohnehin: Hier (bei Gieselmann zuhause, zwölfter Stock, im Elfenbeinturm des Bildungspräkariats) empfangen wir ein Fernsehbild so archaisch, dass ich seit fünf Minuten die Vertreibung durch die Russen fürchte. Bis morgen über die zugefrorene Adria zurück nach Gelsenkirchen. Was man aber aus den wenigen Live-Schnipseln erahnen kann: Schalke macht mit. Wobei »mitmachen« in etwa so gemeint ist wie früher das bemühte in den Zeugniskopfzeilen: »Vogelsang bemühte sich redlich seinen Klassenkameraden mit Respekt zu begegnen.«

12.
Schalke macht aber wirklich mit. Noch ein Kopfball von Raul, der tatsächlich jetzt Schalker ist. Das überrascht mich nach wie vor. Muss jetzt wohl auch noch mal nachschauen, wer die Bravo-Sport-Ottos seit 1997 gewonnen hat. Den für 2011 hätte ich vor diesem Spiel ja an Manuel Neuer verliehen. Nach der Flugeinlage bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Immerhin pflückt er jetzt eine Inter-Ecke aus dem Mailänder Himmel. Vielleicht wird das doch noch was. Wobei »pflücken« hier in etwa so gemeint ist wie das »bemühen« in: »Vogelsang bemühte sich im Sportunterricht redlich am Barren um eine Hockwende.«

17.
Es ist wie beim Aussteigen aus der U-Bahn am Kottbusser Tor: Kuddelmuddel, Tor! Matip! Cesar zögert, als hätte er das Zögern erfunden, der Ball ist irgendwo und plötzlich wieder in der Luft, Matip stirnt ein – 1:1! Also 1:2, weil Auswärtstore ja doppelt zählen, wie uns Rolf Töpperwien erklärt hat, damals, in den 80ern, bei Werder gegen Dynamo Berlin. Also 1:4, also 1:8 – Hurra! Schalke ist Weltmeister!

19.
Schreck lass nach – Tor von der Hyäne. Aber: Abseits. Typisch Hyäne.

20.
»Hyäne? Kenn ich, hab' ich immer«, sagt Vogelsang und schluckt seine zehnte Kopfschmerztablette.

21.
Das 1:1 ist so schmeichelhaft wie Sascha Hehn (Udo Brinkmann) in der »Schwarzwaldklinik«, als er Barbara Wussow (Schwester Elke) rumkriegen wollte. Inter spielt hier ziemlich wunderbar an Schalke herum, kriegt »ihn« aber nicht rein. Das wiederum im Gegensatz zu Doktor Udo.

23.
Stankovic geht. Bedankt sich bei den Fans. Wir sagen: Stanko für nic.

25.
Sneijder ist ja schon nicht gerade schön, aber Cambiasso erst. Mein Gott, ist der hässlich. Interessanter Effekt – Snejider: hässlich, Schnitt, Cambiasso: noch hässlicher, Schnitt: Sneijder plötzlich schön. Er sollte Cambiasso immer bei sich haben. In der Disco, zu Hause in der Besucherritze, einfach überall. Oh, nein, da ist wieder Cambiasso. Jetzt hab' ich Angst.

26.
Inter ist dem 2:1 näher als Schalke an Wattenscheid. Und ein Hund bochum die Ecke. Schüss.

27.
Was denken eigentlich die anderen Bochumer, denen Edu 2004 gegen Lüttich das Weiterkommen versaut hat, darüber, dass diese Type jetzt Champions League spielt? Spricht das gegen Schalke oder gegen die Champions League? Jedenfalls nicht für Edu, den schlechtesten Stürmer, den die Königsklasse gesehen hat. Seit Edu von Sevilla, dem Motherfucker.

31.
»Schalke steht relativ tief«, so Fuß. Relativ hoch führt nun Inter: Sneijder auf Cambiasso, der nickt auf Milito, den alten Mafia-Killer, der fackelt keine Sekunde – Tor! Drin (was bei einem Tor die Voraussetzung ist)! Kommentator Fuß klammert sich noch an einer Abseitsphantasie fest wie Biene Majas Freund Willi im Sturm an einem Grashalm – zu spät, auch er muss erkennen: »Inter führt wieder mit 2:1«. Streichen Sie das »wieder« und der Satz ist richtig. Oder lassen sie es einfach drin, dann haben sie was zum Nachdenken, falls Sie allein wohnen.

34.
Das glaub ich nicht. Jetzt muss ich alles zurücknehmen, was Gieselmann geschrieben hat. Edu, also wirklich der, der mal bei Bochum war, und nicht der, der mal bei Arsenal und Villareal war, trifft zum 2:2. Oder wie Fuß sagen würde: Wieder 2:2. Ist der Brasilianer plötzlich der beste Stürmer der Champions League? Eher nicht. Vielmehr ist Inters Abwehr der Edu der europäischen Defensivreihen. Wären wir Mourinho, wir würden uns den Armani-Anzug zerreißen. Machen wir aber nicht. Weil wir nicht Mourinho sind. Und deshalb nur einen Anzug haben. Der immerhin passt. Genau wie für Schalke nun das Ergebnis.

40.
Fuß jetzt als Orthopäde, diagnostiziert: Inter hat Unterzahl. Schalke hat demnach Überzahl. Und Gieselmann, der ist weg. Liest auf dem Klo in den Märchenbüchern seines Sohnes. Hat Rübezahl.

42.
»Ein gutes Spiel, em, äh, ja gut äh, ich sag mal: ein gutes Spiel!«, so Beckenbauer aus dem Äther. Höchste Zeit, dieser Gestalt das Licht abzuerkennen.

43.
»Schalke spielt das hier mit Herz und mit Ratio«, so Fuß, zieht dann mit den Ratiopharm-Zwillingen um die Häuser. Gute Preise. Gute Besserung.

48.
Gibt es überhaupt eine 48. Minute? So lang war ich noch nie wach. Gleich kommen die Busenfilme auf DSF. Lechz. Nicht böse sein, wenn ich nur noch mit einer Hand weitertickern kann.

49.
Unentschieden zur Halbzeit in San Siro. So schlecht sieht das für Schalke nicht aus. Da hat man, haben wir schon schlechtere deutsche Auftritte in Mailand gesehen. Letztes Mal erst Jonas Kaufmann in der Scala. Mann, war Gieselmann da genervt. Aber er hatte auch mit Andy Kaufman gerechnet. Kann man nichts machen. Als Entschädigung verteidigt Inters Samuel weiter, als würde er mit einer fetten Frau catchen. Und nur der Mann im Mond schaut zu.[page]

21:36 Uhr
Gerd Müller säuft Thomas Müller die Milch weg. Verdammte Werbung, jetzt hab ich Angst, dass Dirk Schuster, Dirk Bremser und Dirk Dammann reinkommen und meine Wohnung tapezieren. Ding-dong.

21:39 Uhr
»Seit 125 Jahren brauen wir ein Bier«, sagt der Erdinger-Typ. Höchste Zeit, fertig zu werden, du Kauz. Mein Maul ist so trocken wie ein Zwieback in der Wüste Gobi. Hab Durst wie so'n Lama.

21:41 Uhr
»Ein extraordinäres Fußballspiel«, sagt der einfach nur ordinäre Moderator der Talkshow »Kerner«, redet dann immer weiter. Redet. Redet. Redet. Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet.Redet. Redet. Redet. Hallo? Gott?