EM-Steckbrief Ukraine

Der Ralf Schumacher der EM

Hier kommt alles Wissenswerte rund um Deutschlands Auftaktgegner. Und der Grund, weshalb die Ukraine vielleicht besser in die Tourenwagenmeisterschaft wechseln sollte.

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Der Trainer
Michail Fomenko. Der 65-Jährige ist seit 2012 im Amt und führte die Ukrainer fast zur WM (Playoff-Niederlage gegen Frankreich). Mit deutschen Gegnern kennt sich Fomenko bestens aus. 1975 gewann er mit Dynamo Kiew den Pokalsieger-Cup und schaltete unter anderem Eintracht Frankfurt aus. Später gewann Kiew noch den UEFA-Supercup gegen den FC Bayern.

Die Taktik
Die Ukrainer spielen ein 4-1-4-1-System, das sie recht passiv interpretieren. Der Lieblingsspielzug der Mannschaft ist ein Pass von den Außenverteidigern zu den Außenstürmern die Linie entlang; ein Zug, den Thomas Tuchel einst sinngemäß den schlechtestmöglichen im Fußball nannte. Der Gegner kann nach so einem Pass nämlich leicht auf die Seite verschieben und den Außenstürmer doppeln. Bei der Ukraine funktioniert die Strategie aber überraschend gut, da sie in Andrij Jarmolenko und Jewhen Konopljanka zwei dribbelstarke Außenstürmer besitzt. Das ukrainische Spiel ist deshalb abhängig von den individuellen Fähigkeiten der beiden.

Der Star
Seit dem Karriereende von Andrij Schewtschenko fehlt es den Ukrainern an internationalen Topstars. Fast der gesamte Kader ist in der Ukraine aktiv. So auch Andrij Jarmolenko, der seit 2007 bei Dynamo Kiew spielt und dessen Marktwert auf 25 Millionen Euro taxiert wird. Im Frühjahr buhlten Arsenal oder Liverpool um den Rechtsaußen, auch Nationalcoach Fomenko rät zu einem Wechsel nach England. »Er ist unser bester Spieler und trifft dort auf die Besten. Ein Wechsel wäre sinnvoll!« Bislang hat Jarmolenko 58 Länderspiele bestritten und dabei 24 Tore erzielt, darunter auch den wichtigen Ausgleichstreffer im EM-Playoff-Hinspiel gegen Slowenien – in der achten Minute der Nachspielzeit.

Das besondere Zitat

»Es wäre ein schlechter Soldat, der nicht General werden will.« Oleg Blochin

Der schönste Teil der Hymne
»Noch ist die Ukraine nicht gestorben«, heißt das Gedicht von Pawlo Tschubynskyj, auf dessen Text die Nationalhymne aufbaut. Geschrieben im Herbst 1862 und also lange vor der tatsächlichen Unabhängigkeit des Landes. Und so schwer auch die politische Gegenwart auf ihnen lastet, die Hoffnung stirbt immer zuletzt. Gilt auch für die ukrainische Nationalmannschaft. Ganz besonders mit der deutschen Elf vor der Brust.

Schtsche nam, brattja-ukrajinzi, usmichnetsja dolja.
Noch wird uns lächeln, junge Ukrainer, das Schicksal.

Die Frisur
Roman Zozulya, Stürmer in Diensten von Dnipro Dnipropetrovsk. Typ »Hohe Stirn«. Würde man es gut mit ihm meinen, könnte man den Stirnbürzel als Hommage an Ronaldos 2002er-Frisur deuten. Optisch fragwürdig bliebe der Funkmast an zentralem Resthaar dennoch. Zozulya ist in der heimischen Liga übrigens derzeit bis November gesperrt. Angeblich aber nicht wegen der Frisur.



Wäre das Team ein Promi, dann:
Ralf Schumacher. Durchaus talentiert, für den großen Wurf reicht es dann aber doch nicht. Steht zudem immer im Schatten des großen Bruders Russland. Vielleicht sollte es die Ukraine einfach mal in der Tourenwagenmeisterschaft versuchen.

Das Maskottchen
Vitali Klitschko, Spitzname: »Doktor Eisenfaust«. Promovierter Linksausleger, so wie Ukraines Bester, Andrej Yarmolenko. Bürgermeister von Kiew. Mehrfacher Welt- und Europameister. Wer könnte also besser zum Maskottchen taugen, als einer, der weiß, wie man sich durchboxt?! Rein sportlich.