EM-Steckbrief Slowakei

Mit Mörtel im Haar

Ein Star, seine Frisur aus Stahl und die Sehnsucht nach einem ordentlichen Donnerwetter. Die Slowakei im Schnellcheck.

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Der Trainer
Eins ist klar: Jan Kozak weiß, wie es geht. 1980 wurde der ehemalige Mittelfeldspieler mit der Tschechoslowakei Dritter bei der Europameisterschaft in Italien. Sollte er ein solches Kunststück nun als Coach wiederholen, dürfte er ohne Frage zum »Trainer des Jahres« in der Slowakei gewählt werden. Spieler des Jahres wurde er bereits 1982.

Die Taktik
Die Slowakei fühlt sich wohl, wenn sie als Außenseiter in ein Spiel gehen kann, dann kommen die Stärken des Teams zum Tragen: Die Viererketten verschieben gut, sie verteidigen kompakt. Kontern können die Slowenen ebenfalls, dabei suchen sie häufig den Weg durch die Mitte, wo sich Napoli-Star Hamsik anbietet. Wehe jedoch, wenn die Mannschaft wie gegen Wales das Spiel selber gestalten muss – das geht selten gut. Im Spielaufbau sucht sie meist direkt den Weg nach vorne, spielt lange Schläge direkt von den Innenverteidigern zu den Stürmern. Oft jedoch gewinnt der gegner die zweiten Bälle und die Slowakei ist in der Folge defensiv verwundbar.

Der Star
Spieler wie Marek Hamsik werden heute eigentlich gar nicht mehr gebaut. Seit nun neun Jahren schnürt der Mittelfeldmotor die Schuhe für Napoli, und das, obwohl Jahr für Jahr die größten Vereine Europas beim SSC vorstellig werden, um ihn zu verpflichten. Nur: Der Mann will nicht. „Ich möchte für Napoli das werden, was Del Piero für Juventus oder Totti für die Roma wurde“, sagt Hamsik, und dabei ist er auf einem guten Weg. Nur mit den Titeln klappt es noch nicht so gut. Zweifacher Pokalsieger ist er mit dem SSC geworden, auf den Scudetto wartet er noch. Aber wenn der Fußball gerecht ist, wird der Tag kommen. Jedenfalls eher, als dass die Slowakei Europameister wird.

Das besondere Zitat
»Ich würde Bochum Real Madrid jederzeit vorziehen.« Stürmer Stanislav Sestak

Der schönste Teil der Hymne
To Slovensko naše posiaľ tvrdo spalo. Ale blesky hromu vzbudzujú ho k tomu,
aby sa prebralo.

Unsere Slowakei hat bisher hart geschlafen. Aber Donnerblitze erwecken sie dazu, damit sie erwacht.

Das erste Spiel 1:2 verloren. Gegen Wales. Ja, man könnte sagen, die Slowakei hat den Auftakt verpennt. Aber auf das Wetter kann man sich ja verlassen, so bald es also endlich blitzt über Frankreich, hauen die Slowaken alles weg.

Die Frisur
Er ist nicht der einzige Spieler mit verblüffend widerstandsfähigem Irokesen. Doch bei Marek Hamsik muss die Frage erlaubt sein, wie sein Kamm trotz Schweiß, trotz Kopfbällen und Jubeltrauben Spiel für Spiel auch nach 90 Minuten noch kerzengerade in Richtung Himmel zeigt? Wir erinnern uns an unsere ersten – kläglich gescheiterten Versuche – die eigenen Haare mit Gel in irgendeine Richtung zu klatschen, immerhin war man mit der hübschen Anna fürs Kino verabredet und vielleicht hatte sie nicht nur zugesagt um über ihre Beziehungsprobleme mit diesem Marc aus der Neunten zu nölen und deswegen musste man das mit den Haaren eben mal versuchen. Wir denken daran, wie schon der erste Windstoß auf dem Weg zur U-Bahn alles versaute. Auf einmal war das nicht mehr der süße Boygroup-Look sondern ging eher in Richtung strähnig–fettige Alkoholiker–Matte. Wir denken daran, dass Anna ihre beste Freundin dabei hatte und nach der Hälfte des Films ging um sich doch noch mit diesem Hirni von Marc zu treffen und wir fragen uns, was zur Hölle sich Marek Hamsik in die Haare schmiert? Mörtel? Sekundenkleber?


Wäre das Team ein Star, dann

Martina Hingis. So wie dem slowakischen Team der EM-Titel der Tschechoslowakei 1976 mehr oder weniger gestohlen wurde, so ist Martina Hingis als Schweizerin zur weltberühmten Tennisspielerin geworden. Dabei ist sie in der Slowakei geworden. Wir brüllen laut »Kurwa« in uns hinein, diesen Fluch, den man den Polen zuordnet, den wir jetzt aber etymologisch auf Verdacht der Slowakei anrechnen und sind uns jetzt bei gar nichts mehr sicher. Skoda: eigentlich aus Bratislava?

Das Maskottchen
Es gibt Maskottchen, die fallen mit der Tür durchs Haus, sie sind umtriebig bis aufdränglich, ihre Haut aus grellen Farben, ihre Bewegungen spektakulär und überzeichnet. Und es gibt das Phantom. Genau, Marek Mintal. Nicht zu sehen, aber geil. Tanzte beim Spiel gegen Wales übrigens 90 Minuten im Mittelkreis und grölte diesen Song.