EM-Steckbrief Frankreich

Das Jagdrudel und der Rattenschwanz

Heute eröffnet Gastgeber Frankreich die EM. Bei uns erfahrt ihr alles, was ihr nie über die Equipe Tricolore wissen wolltet. Und womit ihr heute Abend trotzdem angeben werden.

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Der Trainer
Als Spieler war Didier Deschamps daran beteiligt, dass die Équipe Tricolore in den Neunzigern vom Geheimtipp zum Weltmeisterteam reifte. Als Nationaltrainer hat er in vier jahren den zerstrittenen Kader geeint und bei der WM 2014 Achtungserfolge erzielt. Damit es mit dem EM-Titel klappt, muss er nun noch die Demut gegenüber großen Fußballnationen ablegen.

Die Taktik
Didier Deschamps ist ein gläubiger Anhänger des 4–1–4–1–Systems. Auf den Achterpositionen hat Frankreich mit Matuidi und Pogba gleich zwei Balljäger. Sie starten oft aus der Formation nach vorne und sorgen im Pressing für die Extraportion Aggressivität. So wird defensiv aus dem 4–1–4–1 manches Mal ein 4–3–2–1. Kanté hält dem Jagdrudel den Rücken frei. Offensiv ist Atlético-Star Antoine Griezmann der Dreh–und Angelpunkt. Er startet von der Außenposition häufig ins Zentrum. Tore erzielt Frankreich mit schnellen Kombinationen, am liebsten über die Halbräume zwischen Flügel und Zentrum.

Der Star
Bereits mit 14 wusste Antoine Griezmann aus Mâcon, dass er nichts dem Zufall überlassen darf, will er ein Weltklassefußballer werden. Griezmann wechselte in die Jugendakademie des baskischen Klubs Real Sociedad, eignete sich neben feiner Technik und Torriecher auch die nötige Robustheit an, um in der Primera Division Fuß zu fassen. Mit 25 Jahren nun steht er im Zenit. Diego Simeone, Coach von Atlético Madrid, wohin der Franzose für 30 Millionen Euro wechselte, schwärmt:»Mit Antoine bei uns ist es wie mit Messi, Suarez und Neymar bei Barcelona. Er ist von entscheidender Bedeutung.« Das bewies er trotz verschossenem Elfmeter im Finale in diesem Jahr in der Champions League – und wird es wohl auch bei der Euro tun.

Das besondere Zitat
»Ich will das Ehrgefühl und die Lust sehen können, die Spieler empfinden, wenn sie in der Nationalelf spielen.« Nationaltrainer Didier Deschamps

Der schönste Teil der Hymne
Die Marseillaise, noch immer wird sie den Feinden entgegengeschmettert, noch immer träfe sie, würde sie denn wer anders als die Franzosen verstehen, jeden Gegner bis ins Mark. Es geht um Aufstand gegen die Unterdrücker, um Krieg und Blut und Tod und Ehre. Für heute belassen wir es bei den ersten, halbwegs jugendfreien Zeilen:

Allons enfants de la patrie, le jour de gloire est arrivé!
Auf, Kinder des Vaterlandes, der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Die Frisur
Gut, es ist wirklich naheliegend, aber wir müssen über Kingsley Coman reden. Dass in der Szene mittlerweile Konsens darüber herrscht, dass Nacken und Seiten ausrasiert gehören, dafür auf der Platte die Haare lang bleiben, das haben wir ja längst akzeptiert. Dass die Spitzen jetzt auch blondiert gehören, ok, geht in Ordnung. Dass Coman dazu noch ein Grundschule–in–den–Neunzigern–Schwänzchen trägt, ja, langsam könnte man diskutieren. Dass über dieses Schwänzchen aber auch noch bunte Kügelchen gestülpt sind, nein, also irgendwann hört der Spaß auch auf. Wobei, es sind die Jamaika-Farben. Und irgendwie fanden wir die Jungs mit Schwänzchen doch immer ganz cool in der zweiten Klasse, und mit Jamaika macht man eh nie was falsch. Hm, irgendwie doch ein geiler Typ, dieser Coman. Bleibt nur die Frage: In welcher Turnierwoche bringt er die Ratte?



Wäre das Team ein Promi, dann...
»Ziemlich beste Freunde«–Schauspieler Omar Sy. Talentiert, gutaussehend, französisch. Nur der ganz große internationale Durchbruch fehlt noch. Außerdem gilt die Kino-Schnulze als einziges Mittel, Benzema und Valbuena wieder an einen Tisch zu bringen, ohne dass ein Richter danebensitzt.

Das Maskottchen
Ein Hahn. Haha. Ein Hahn. Kikeriki. Früh aufstehen. Gockel-Macho. Misthaufen. Aber immerhin besser als das Rap-Huhn.