Eintracht und die AfD

»Es ist unvereinbar«

Frankfurts Präsident Peter Fischer stellt sich klar gegen die AfD. Dabei lernt er aus seinen Fehlern – und wird zum Vorbild für die Liga und den DFB.

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Peter Fischer ist ein impulsiver Mann mit tiefer Stimme und breitem Kreuz. Frankfurts Präsident mag es verbal gerne brachial. Er ist einer, der erst die Tür eintritt, bevor er den Schlüssel sucht – auch wenn er vor dem richtigen Zimmer steht. Im Interview mit 11freunde.de positionierte er sich schon vor vier Jahren klar gegen Rassismus im Fußball. Auf seine Art: »Jede anständige Kurve sollte das braune Pack selbstständig aus dem Block prügeln. Das haben wir früher so gemacht, das wird in Frankfurt heute noch so gemacht.«

Dementsprechend waren auch keine diplomatischen Umschweife zu erwarten, als Fischer kürzlich in Interviews von spox, FAZ und dem Hessischen Rundfunk zur AfD befragt wurde. »Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt«, sagte er. Fischer sprach von »Nazis« und »brauner Brut« – und spielte damit ausgerechnet seinen Gegnern in die Karten. Für die Partei war es ein Leichtes, sich wieder einmal in der Opferrolle einzufinden. Die Parteisprecher in Hessen zeigten Fischer wegen Beleidigung und übler Nachrede an.

Abschottung vs. interkulturelles Miteinander

Fischer hat es der AfD zu einfach gemacht. Sie konnte mühelos seine Aussagen herunterbrechen auf die Formel, dass jeder AfD-Wähler angeblich ein Nazi sei. Und sie konnte den Vorwurf ins Feld führen: Die Eintracht spiele »Gesinnungspolizei« und schließe ganz undemokratisch Mitglieder wegen ihres Wahlverhaltens aus. Natürlich ist nicht jeder AfD-Wähler ein Nazi. Doch – und dabei gibt es nach den unzähligen Grenzüberschreitungen keine Ausrede mehr – er unterstützt mit seiner Wahl Politiker mit rassistischen Äußerungen, mit rechtem und nationalistischem Gedankengut. Die Partei steht für Abschottung, die Eintracht für interkulturelles Miteinander.

Genau das ist der Punkt, auf den es ankommt: Sind die Werte der AfD mit jenen der Eintracht zu vereinbaren? In der Vereinssatzung ist »die Integration ausländischer Mitglieder« als Kernaufgabe festgehalten. Diskriminierung und Rassismus führen zum Ausschluss. Damit sind konkrete Fragen verbunden:

Wie kann jemand einerseits eine Partei unterstützen, deren Funktionäre sich offen rassistisch äußern, die Menschen als »Halbneger« beleidigen, und andererseits den dunkelhäutigen Spielern wie Timothy Chandler zujubeln? Wie kann jemand einerseits eine Partei unterstützen, deren Offizielle unwidersprochen das Holocaust-Mahnmal ein »Denkmal der Schande« nennen oder Menschen »entsorgen« wollen, und andererseits einen Fußballklub, der sich für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und gegen jede Form des Antisemitismus einsetzt? Wie kann jemand eine Partei unterstützen, deren Vorsitzender offen Jerome Boateng wegen dessen Herkunft beleidigt, und gleichzeitig das 1:0 von Kevin-Prince Boateng bejubeln?