Eintracht-Trainer Schaaf in der Medienkrise

Cool im Erfolg, muffig im Misserfolg

Schaaf müsste nun Krisenmanagement betreiben, das heißt: Problemlösungen anbieten (und dadurch die Existenz dieser Probleme erst bestätigen), seine Handlungsfähigkeit demonstrieren, sich und die Mannschaft starkreden und beteuern, wie wunderbar es doch ist, Trainer von Eintracht Frankfurt zu sein. Er wird öffentlich einer Prüfung unterzogen, ob er als leitender Angestellter den Ansprüchen an eine modernen Unternehmenskommunikation genügt. Beherrscht er den Jargon angenehm sedierender Pressemitteilungen? Kann er professionell dementieren? 

Es ist keine Eilmeldung wert, dass er es nicht kann. Er konnte es noch nie, zumindest hat er das bislang nicht erkennen lassen. Fast schien sein »Doppelpass«-Besuch wie der etwas bockige Versuch eines Medienboykotts vor laufenden Kameras. In Bremer Erfolgszeiten fiel seine Haltung nicht negativ auf – im Gegenteil: Damals war die gewisse Maulfaulheit sogar Beleg für seine Coolness. Doch als die Resultate zu wünschen übrig ließen, änderte sich sein Image, er galt unter Medienvertretern bald als muffig, kurzangebunden, kundenunfreundlich. 

Schaaf und das halb leere Glas

Auch die Eintracht hat unter Schaaf eine durchwachsene Saison gespielt. Sie hat zwar nichts mit dem Abstieg zu tun, aber auch etliche Punkte leichtfertig liegen lassen, die sie in die Nähe der Europa-League-Ränge geführt hätten. Ein eloquenterer Trainer hätte es womöglich geschafft, das Glas als halb voll zu verkaufen und den Journalisten fröhlich zuzuprosten. Schaaf jedoch sitzt wortkarg vor dem halb leeren – und vergibt die Möglichkeit, mit einer eigenen Narration die mittelprächtige Spielzeit als Anlauf in eine goldene Zukunft anzupreisen. Nun muss er damit leben, dass andere die Bewertung seiner Leistung übernehmen.

»Ich konzentriere mich hier auf meine Arbeit«, sagte er im »Doppelpass«. Doch »Arbeit« allein als das Bohren von dicken Bettern auf dem Trainingsplatz zu verstehen, dürfte nicht mehr reichen. Für ihn in diesem konkreten Fall – und auch bundesligahistorisch gesehen: Die Zeit der lakonischen Schweiger ist unwiederbringlich vorbei. Bestenfalls werden sie museal bestaunt wie Ernst Happel, dieser dauerrauchende, griesgrämige Mann, dessen Lebensleistung umso unglaublicher wirkt, als er mit seiner misanthropischen Ausstrahlung heutzutage wohl kaum über die österreichische Kreisklasse hinauskommen würde. Es ist die Zeit der großen Kommunikatoren wie Jürgen Klopp und Joachim Löw, die ihre Arbeit transparent machen, inszenierte Nähe zulassen, Siege und Niederlagen in den TV-Studios erklären, sich dort mit Experten streiten, auch mal nicht mit der Presse reden, aber wenn schon, dann wortreich. Sie liefern Geschichten, das ist Teil ihrer Berufsauffassung – und nicht zuletzt ein Effekt ihrer Eitelkeit. 

Man kann es als Standhaftigkeit oder als Sturheit auslegen, dass Thomas Schaaf sich weigert, Geschichten zu liefern. Man kann ihn diskret finden oder langweilig. »Ich weiß, dass Sie großes Interesse haben, mit mir darüber zu reden«, sagte er im »Doppelpass«. »Das beruht aber nicht auf Gegenseitigkeit.« Warum war er dann eigentlich in die Sendung gekommen? Vielleicht um endgültig den Pakt mit den Medien aufzukündigen, die ihn nur in Ruhe lassen, wenn er Lärm macht.

Aber sie müssen ja auch gar nicht mit ihm reden. Es gibt ja längst einen anderen, an dem sie sich abarbeiten: Den, über den sie berichten. 

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