Ein Russischer Politiker fordert eine WM für Hooligans

Liebesgrüße aus Moskau

Ein russischer Parlaments-Abgeordneter mit Nähe zur Ultra-Fanszene will die Weltmeisterschaft 2018 zur Arena für Hooligans machen.

imago

Die WM in Russland rückt unaufhaltsam näher – und manch einer fragt sich sorgenvoll: Was geht dort eigentlich ab? Erst recht, wenn man liest, was ein gewisser Igor Lebedew nun von sich gegeben hat. Mit Blick auf das Weltturnier 2018 schrieb der Rechtspopulist auf der offiziellen Homepage seiner »Liberal-Demokratischen Partei«: »Russland sollte ein Pionier in einem neuen Sport sein. Wenn zum Beispiel die englischen Fans ankommen und Randale anzetteln, sollten sie die passende Antwort kriegen: Herausforderung angenommen! Dann gäbe es ein fix terminiertes Treffen in einer Arena.«

Nun könnte man fragen: Hat der noch alle Saiten auf der Balalaika? Doch Lebedew, ein markanter Kopf in der wilden russischen Polit-Landschaft, meint das ernst – vollkommen ernst sogar! Es liege ihm fern, Gewalt zu fördern oder zu verherrlichen, betont er. Vielmehr könne man mit seiner Idee »die Aggression der Fans in eine friedliche Richtung lenken«. Ob zu den Gladiatoren-Kämpfen auch zahlende Zuschauer willkommen sein sollen, ließ Lebedew offen. Aber einen Namen für die neue Sportart am Rande der Fußball-WM hat er bereits parat: »Draka« – so lautet das russische Wort für Kampf. 

Erlaubt war fast alles

Genau genommen, ist der Wettkampf, den Lebedew vorschlägt, nicht einmal neu. In Polen hoben Kampfsport-Fetischisten 2014 die Team-Fighting Championship (TFC) aus der Taufe. Dort prügelten Fünfer-Trupps, die sich großteils aus der Hool-Szene rekrutierten, um Pokale und Preisgelder – ganz offiziell. Mit von der Partei waren Gruppen wie die »Lech Posen Hooligans«, die »Wisemen« aus Göteborg oder das »Jungvolk« aus Moskau, ein angeblich ZSKA-nahes Klopper-Quintett. Gekämpft wurde in einem großen Boxring nach Regeln, die denen der Mixed-Martial-Arts-Organisation UFC gleichen. Erlaubt war fast alles, selbst Tritte gegen die Köpfe von Kämpfern, die am Boden lagen. Seit Mai 2015 ist es jedoch ruhig geworden um die TFC.

Feiert das Rudel-Raufen bei der WM ein offizielles Comeback? Wohl kaum. Zumal die angesprochenen Engländer laut Lebedew ohnehin kaum zum gleichwertigen Gegner taugen. Die Fußball-Fighter von der Insel, urteilt er im Stile eines Sport-Analysten, seien »undisziplinierte Schurken und schlechte Kämpfer«. 

»Ich sehe nichts Schlimmes daran, wenn sich Fans prügeln«

Der Polit-Rambo kennt sich aus. Während der Europameisterschaft 2016 machte Lebedew Schlagzeilen, als er russische Krawall-Touristen für deren martialischen Auftritt in Frankreich lobte. »Ich sehe nichts Schlimmes daran, wenn sich Fans prügeln«, twitterte der Scharfmacher nach den Angriffen top-trainierter russischer Streetfighter auf schmerbäuchige englische Schlachtenbummler. »Ganz im Gegenteil: Unsere Jungs haben das gut gemacht!«

Dazu sollte man wissen: Lebedew ist ein guter Bekannter des berüchtigten Alexander Sprygin. Der Mann aus der Ultraszene von Dynamo Moskau, laut FARE-Network politisch am äußerten rechten Rand angesiedelt, war offiziell als Vorsitzender der Vereinigung russischer Fußballfans zur EM gereist. Nach den Vorfällen von Marseille wurde Sprygin als Rädelsführer identifiziert und aus dem Land gewiesen. Sein engagiertester Verteidiger in der russischen Heimat: Igor Lebedew. Schließlich war Sprygin zu diesem Zeitpunkt dessen persönlicher Assistent. »Ich verstehe all die Politiker und Verbandsoffiziellen nicht, die jetzt unsere Fans brandmarken«, appellierte Lebedew. »Sie müssten sie beschützen, die Fans müssen nach Hause kommen und wir müssen sie verstehen.«