Eine Stunde Deutschland mit Neu-Schalker Rabbi Matondo

Kartoffel im Kopf

Kaum in Deutschland angekommen, futterte Schalkes Neuzugang Rabbi Matondo laut Bild-Zeitung auch schon die erste Kartoffel. Wir finden: vorbildlich. Und haben uns die ersten Minuten Matondos in Deutschland mal genauer angeschaut.

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22:16 Uhr

Rabbi Matondo landet am Düsseldorfer Flughafen, schwerfällig rollt die Boeing 737 von der Landebahn. Obwohl im Flieger weder die Vorder- noch die Hintertür geöffnet ist, drängeln sich alle Menschen über 50 entschieden in den Mittelgang. Ein exakt der Handgepäck-Norm entsprechender Hartschalen-Koffer streift mehrfach Matondos Steiß.

22:17 Uhr

Die Türen sind noch immer zu. Alle Menschen über 50 werden panisch. Nur eine ältere Dame mit frechem Kurzhaarschnitt öffnet mit ruhiger Hand das Münzfach Ihres Portemonnaies. »Ich suche mir nur schon mal die richtigen Münzen für das Busticket zusammen«, entgegnet sie dem verwunderten Blick Matondos. Ha, denkt Matondo, der Intensiv-Sprachkurs hat sich gelohnt. Stolz tippt er seinen ersten deutschen Satz als Notiz ins strassstein-verkleidete Telefon: »In Deutschland immer passend zahlen!«

22:23 Uhr
Endlich stehen Treppen an den Flugzeugtüren, zügig leert sich die Maschine. Auf den wenigen Metern zum Transferbus passiert ein vierjähriger Junge eine den korrekten Weg markierende Pylone auf der falschen Seite. Die eben noch entspannte Portemonnaie-Dame verdreht genervt ihre Augen.

22:28 Uhr
Stau am Gepäckband. Erste sorgfältig ausgefüllte Online-Beschwerde-Formulare erreichen das Flughafenpersonal.

22:29 Uhr
Das Förderband steht still. Matondo schnappt einen Gesprächsfetzen auf. »Dat Männeken soll lieber trainieren, statt nachts durch die Gegend zu jetten«, sagt ein mittelalter Mann auffallend laut zu seiner Frau. »Mensch Thomas, psssssst«, antwortet diese. »Keine Sorge, Bienchen. Dat Männeken versteht doch sowieso kein Wort.«


Bild: @kilian_ga bei Twitter

22:31 Uhr

Der mittelalte Mann macht heimlich ein Foto von Matondo. Weder das Knips-Geräusch noch der Blitz seiner Handy-Kamera sind ausgeschaltet.

22:32 Uhr

»Die Jungs in der Whatsapp-Gruppe schreiben, dat dat der Neue von Schalke is! Ich dachte bis eben, dat dat der Säncho is, der Arsch von Lüdenscheid-Nord!«



22:33 Uhr

Der mittelalte Mann bittet Matondo aufgeregt um ein gemeinsames Foto.

22:34 Uhr
Noch immer kein Lebenszeichen vom Gepäck, Matondos Füße beginnen zu schmerzen. Er würde sich gerne setzen. Ärgerlicherweise sind alle Wartesitze bereits mit Handtüchern belegt.

22:39 Uhr

Endlich kann Matondo seine Tasche vom Gepäckband fischen. Mit frischer Energie läuft er Richtung Ausgang. Durch eine offene Tür erhascht er einen Blick ins Zollbüro. Am Schreibtisch sitzt ein uniformierter Mann und zählt Erbsen.

22:41 Uhr

Christian Heidel nimmt Rabbi Matondo per ehrlichem Handschlag in Empfang. »Solltest du nicht um 22:16 Uhr hier sein?«, fragt er mit gespielter Empörung »Wir wollten schon die Kripo einschalten!« Dann lacht er laut. Dass bei der Kripo besetzt war, erwähnt er nicht.

22:42 Uhr

Matondo hat Hunger. »Ich kann dir Kartoffeln empfehlen«, sagt Heidel. Matondo willigt ein.

22:44 Uhr
Die Flughafen-Kartoffel kostet 17,44 Euro. Matondo würde gerne passend zahlen, allerdings fehlen ihm dafür 18 Cent. Heidel springt in die Bresche. »Kein Problem, Junge, ich bin da nicht so. Die 18 Cent kannst du mir doch einfach morgen überweisen.«

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