Eine Liebeserklärung an Oliver Kirch

Ein unbesungener Held

Er ist in der BVB-Geschichte nur eine Fußnote, unser Autor vergöttert ihn trotzdem. Wegen dieses einen Spiels im April 2014. Heute wird Kirch 34 Jahre alt. Ein Fanbrief zum Geburtstag.

imago

Lieber Olli,

zunächst eine Beichte. Als du 2012 zu uns kamst, haben wir uns ein bisschen veräppelt gefühlt. Auf deinem Lebenslauf standen Borussia Mönchengladbach, Arminina Bielefeld und der 1. FC Kaiserslautern. In unserer Startaufstellung standen Shinji Kagawa, Mats Hummels, Mario Götze. Allesamt blutjunge Ausnahmekönner. Du gingst mit Ende Zwanzig nicht mal mehr als Perspektivspieler durch. Wäre der Borussia-Kader dieser Jahre ein Einfamilienhaus gewesen, wärst du ein Umzugskarton auf dem Dachboden, über den man sich gehörig wundert, wenn man ihn mal wieder hervorkramt.

Doch dann veränderte ein Spiel am 8. April 2014 alles.

Wir hatten das Hinspiel im Champions League-Viertelfinale gegen Real Madrid mit 0:3 verloren. Und die Aussichten für das Rückspiel waren düster. Neven Subotić war verletzt, Sven Bender und Sokratis genauso. Kapitän Kehl? Gesperrt. Also traten wir mit einer Rumpfdefensive an, bestehend aus dem noch vor kurzem vertragslose 33-jährigen Manuel Friedrich, Milos Jojic, der erst in der Winterpause zu uns gekommen war – und dir. Auf der Gegenseite: Karim Benzema, Ángel Di María, Gareth Bale. Uff.

Das Spiel startete verdammt schlecht, nach einer Viertelstunde pfiff der Schiedsrichter Elfmeter für Madrid. Doch als Roman Weidenfeller den Schuss von Di María parierte, hatten wir zum ersten Mal das Gefühl, das dieses Spiel etwas Besonderes werden kann. Und tatsächlich: In der 24. Minute drosch Manuel Friedrich den Ball einfach mal nach vorne – über deinen Kopf hinweg, was irgendwie symptomatisch war, denn mit dem Spiel hattest du bis dahin wenig zu tun. Madrid-Verteidiger Pépe verschätzte sich beim Kopfball, Marco Reus stand plötzlich allein vor Iker Casillas und machte das 1:0!