Eindhovens Trainer Phillip Cocu

Ein Sieg für das fehlende L

Nachdem er dem Spiel des FC Barcelona sechs Jahre lang seinen Stempel aufdrückte, wechselt er 2004 zurück in seine Geburtsstadt Eindhoven, wo der verlorene Sohn dreimal in Folge die Eredivisie gewinnt und sicher stellt, dass seine Dienste auch hier nicht so schnell vergessen werden.

Eine lange Pause gönnt sich Cocu nach seinem letzten Profijahr in Abu Dhabi nicht und kehrt als Co-Trainer 2009 nach in seine Heimat zurück. Als Interimstrainer führt er Eindhoven 2012 zum Pokalsieg und löst Dick Advocaat, unter dem er selbst noch spielte, als Cheftrainer ab. Zwar gibt sich Cocu zu Beginn noch bescheiden und erklärt, dass er »nichts überstürzen« wolle und sich Dinge gerne »Schritt für Schritt« aneigne, doch der Erfolg stellt sich verhältnismäßig zügig ein.

Auf dem Weg mit PSV zurück an die niederländische Spitze, muss der 101-malige Nationalspieler allerdings erst gegen einen Tumor im Unterrücken ankommen. Er setzt als Trainer aus, aber das gutartige Geschwür wird 2014 erfolgreich entfernt. Cocu ist sofort wieder zurück und löst in der Saison 2014/15 endlich Ajax Amsterdam als Meister ab. Das Team von Frank De Boer war zuvor viermal in Folge Erster geworden. »Das ist einer dieser Momente, für die du all das tust. Nach diesem Titel hat sich der Verein lange gesehnt«, beschreibt der Rückkehrer den Gewinn der Meisterschaft.

Sieg gegen den Ziehvater

Im ersten Champions-League-Spiel der laufenden Saison trifft Cocu ausgerechnet auf Louis van Gaal, seinen Geppetto. Allerdings rettet er ihn nicht aus dem Bauch eines Riesenfischs, sondern schlägt seinen ehemaligen Ziehvater und Manchester United mit 2:1. Dennoch hat PSV bislang Schwierigkeiten, an die Leistungen der Vorsaison anzuknüpfen. Das Rückspiel gegen Wolfsburg ist deshalb nach zwei Niederlagen bereits ein kleines Endspiel in der Champions League.

Heute Abend braucht Cocu einen Sieg. Das hat er im Vorfeld mehr als deutlich zu verstehen gegeben. »Selbst bei einem Unentschieden haben wir es nicht mehr selbst in der Hand«, mahnt der Coach. Um auf seinen geliebten FC Barcelona treffen zu können, muss sein Team gegen Wolfsburg gewinnen. Schafft er das, wird vielleicht das L auf Eindhovens Trikot ergänzt. Dann würde das Philips-Stadion endlich zu Phillips Stadion.