Ein Zeugwart packt aus

»André und ich lagen uns in den Armen«

Kurz darauf verpasste Mainz zwei Jahre in Folge ganz knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Gehört in solchen Situationen auch das Trösten zu Ihren Aufgaben?
Wenn man so kurz vor dem Ziel ist und dann auch noch die Häme des Gegners ertragen muss, die mit Taschentüchern winken, tut das sehr weh. Da sind Tränen geflossen, auch bei Jürgen. Ich weiß noch, er stand im Kabinengebäude ganz alleine in der Ecke und musste weinen. Natürlich muss ich dann versuchen, die Jungs aufzubauen und zu trösten. Aber es ist schwierig, jemand anderem Trost zu spenden, wenn man eigentlich selbst Trost braucht.

2004 packte Mainz dann den Aufstieg. Wie war die Party für Sie?
Das war ein ganz komisches Gefühl. Jeder hat verfolgt, wie es auf den anderen Plätzen steht, auch ich hatte einen Kopfhörer im Ohr. Aber registriert habe ich den Aufstieg erst, als ich die Reaktion auf den Rängen sah. Plötzlich brachen alle Dämme. Jeder hat den anderen umarmt und hochleben lassen, die Zuschauer sind auf den Platz gestürmt. In der Kabine knallten die Sektkorken und sogar ich wurde von der Mannschaft ins Entmüdungsbecken geschmissen. Das war einer der schönsten Momente meiner Karriere.

Neben Jürgen Klopp hat ein weiterer Trainer den Verein sehr geprägt. Was zeichnete Thomas Tuchel aus?
Thomas ist sehr emotional. Das beste Beispiel dafür ist das Pokalachtelfinale gegen Schalke 2012, bei dem er auf die Tribüne verwiesen wurde. Zuerst hat er sich zwischen die Zuschauer gesetzt, es dort aber nicht lange ausgehalten. Er ist dann in die Kabine und war total angefressen, weil er das Spiel nicht mehr sehen konnte. Aber als wir gewonnen haben, hat er sich schnell wieder beruhigt. Sofort nach dem Abpfiff kam er aufs Spielfeld gestürzt und hat den Sieg mit uns gefeiert.

Welcher Moment sticht aus den vergangenen Jahren heraus?
Am liebsten erinnere ich mich an die Saison 2010/2011, das war die beste überhaupt. Es hat alles gepasst, jeder war immer gut gelaunt und wir hatten nie das Gefühl, dass wir ein Spiel verlieren könnten. Wir haben einfach guten Fußball gespielt. Dazu beigetragen haben natürlich unsere »Bruchweg-Boys« Adam Szalai, Lewis Holtby, André Schürrle und Marcel Risse. Die vier sind super Fußballer und vor allem lustige Typen, mit denen ich sehr gut ausgekommen bin. Der Sieg gegen die Bayern in jener Saison war einmalig, wie ein Sechser im Lotto. Und am Ende der Saison haben wir uns sogar für die Euro-League qualifiziert. Die Stimmung  nach dem letzten Spiel war großartig. André Schürrle und ich lagen uns in den Armen.