Ein Zeugwart packt aus

»Jürgen war schon als Spieler sehr impulsiv«

Wie definieren Sie Ihren Job?
Für Außenstehende sieht es so aus, als hätte man wenig zu tun. Aber man ist immer unterwegs, arbeitet am Wochenende, wenn die restliche Familie zuhause ist. Das Schönste an meinem Beruf ist, dass man mit vielen Menschen in Berührung kommt und mit den unterschiedlichsten Charakteren zu tun hat, auch mit schwierigen. Ich versuche natürlich, mich auf jeden einzelnen Spieler einzustellen. Nikolce Noveski ist beispielsweise ein super Junge, aber relativ verschlossen. Man muss ihm jedes Wort aus der Nase ziehen. Ich versuchte immer, mit Nikolce ins Gespräch zu kommen, aber es hat selten geklappt. Als Typ war er einzigartig.

Ist ein Zeugwart auch eine Art Vertrauensperson für Spieler und Trainer?
Auf jeden Fall. Ich unterhalte mich häufig mit den Spielern. Oft bleiben sie einfach in der Kabine sitzen und suchen das Gespräch. Man bekommt vertrauliche Informationen mit und viele Geschichten erzählt, die nicht nach Außen dringen dürfen. Manchmal bin ich wie ein Beichtstuhl. Da geht es sowohl um sportliche wie auch um private Angelegenheiten. Wenn ich davon etwas preisgeben würde, wäre ich nicht mehr lange im Job.

Haben sich dadurch besondere Beziehungen entwickelt?
Einen ganz intensiven Kontakt habe ich noch immer zu Christian Hock, der neun Jahre in Mainz spielte (1994 bis 2003, d. Red.). Mittlerweile ist er Papa und ich bin der Patenonkel von seinen Zwillingen. Seit er Sportdirektor bei Wehen Wiesbaden ist, nutzen wir jede freie Minute, um uns zu treffen. Wir gehen Kaffee trinken, besuchen gegenseitig unsere Spiele, unternehmen etwas mit den Kindern. Und dann reden wir nicht über Fußball, sondern über private Dinge. Auch Elkin Soto ist ein besonderer Mensch. Nach seiner schweren Knieverletzung befindet er sich mittlerweile wieder im Aufbautraining und wir sehen uns täglich. Aber auch in der Zeit, in der er noch im Krankenhaus in Straubing war, hatten wir oft Kontakt miteinander.

Sie sahen viele Akteure kommen und gehen – zum Beispiel Jürgen Klopp. Wie ist Ihnen der junge Klopp in Erinnerung geblieben?
Jürgen war auch als Spieler ein sehr impulsiver Mensch und wusste schon immer, was er wollte. Er hat sich eigentlich wenig verändert. Für mich ist er immer noch der Gleiche wie früher. Im Laufe der Jahre wurde Jürgen Kapitän, wenn es nicht so gut lief, ergriff er die Initiative und rüttelte die Mannschaft wach. Und dann, nach der Beurlaubung von Eckhard Krautzun, wurde er 2001 von heute auf morgen Cheftrainer. Seitdem ging es stetig bergauf mit dem Verein – und mit Jürgens Karriere. Das freut mich natürlich.