Ein Wort zu Dieter Hoeneß

Der Neinsager

Das Schönreden von Missständen und des eigenen Versagens muss zu den Schlüsselkompetenzen moderner Manager gezählt werden. Bei Hertha BSC gäbe es reichlich Bedarf. Doch Dieter Hoeneß beschränkt sich auf ein Wort: Nein. Imago Die Antwort von Dieter Hoeneß war kurz und klar. Über seine Person sei nicht diskutiert worden. Man habe viel gesprochen, habe die Situation analysiert und sei zu der Überzeugung gekommen, dass nur ein Trainer-Wechsel den Absturz von Hertha BSC in der Bundesliga verhindern könne - alle Schuld dem Trainer.

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Da macht es sich der Manager aber einfach. Ohne Zweifel war das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer am Ende belastet. Doch die Verunsicherung der Spieler kam nicht über Nacht, sie wurde durch Missgriffe des Managers begünstigt. Zum Beispiel Yildiray Bastürk. Der kleine Türke sollte nach dem Weggang von Marcelinho jungen Spielern Orientierung bieten. Der Plan ging nicht auf. Bastürk fiel oft verletzt aus. Schließlich ließ er durchblicken, dass der mit 45 Millionen Euro Schulden belastete Klub seine Gehaltsvorstellungen für einen neuen Vertrag nicht erfüllen könne. Nun droht die große Leere: Marcelinho weg, Bastürk weg, und ein Spielmacher ist weit und breit nicht in Sicht.

Als Unsinn erwies sich die Verpflichtung von Mineiro zur Winterpause. Wegen Sprachproblemen, die vorher bekannt waren, sitzt der Brasilianer auf der Bank. Beim Theater um Nationaltorwart Jens Lehmann dementierte Hoeneß halbherzig - Stammkeeper Christian Fiedler wurde verunsichert. Den disziplinlosen Marko Pantelic nagelte Hoeneß in aller Öffentlichkeit an die Wand. Schließlich sprachen sich beide aus, und der Serbe durfte gegen Bielefeld doch spielen.

Eine Vielzahl von Störfeuern, die die Mannschaft erhitzten und die Autorität des loyalen Götz untergruben. Doch der Trainer hatte keine Wahl, musste sich der Politik des Managers beugen. Hätte Götz von Anfang an seinen eigenen Stil knallhart durchgesetzt, wäre es vermutlich schon früher zur Konfrontation und zum Knall gekommen. So funktioniert das System Hoeneß.

Und am Ende gibt es auf die Frage, ob der Manager Mitverantwortung trägt nicht zum ersten Mal die knappe Antwort: "Nein!"