Ein Trainerwechsel, der Fragen aufwirft

Stöger hätte eine Pause gutgetan

Stöger selbst sprach auf der gestrigen Pressekonferenz mit gequältem Lächeln an, dass er wohl nicht verpflichtet wurde, weil er in vierzehn Spielen drei Punkte geholt hat. Augenscheinlich war die aktuelle Bilanz des Österreichers dem Klub nicht wichtig. Schon morgen Abend wird sich zeigen, ob das eine gefährliche Fehleinschätzung ist.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die meisten Trainer, die mitten in einer Saison zu haben sind, nicht gerade auf einer Erfolgswelle reiten. Aber eine komplett verunsicherte und vom Spielglück weitgehend verlassene Mannschaft in die Hände eines Trainer zu geben, der gute Chancen hat, bei den diversen nun wieder anstehenden Abstimmungen zum „Verlierer des Jahres“ gewählt zu werden, das ist schon sehr mutig.

Schon in Mainz steht viel auf dem Spiel   

Dabei ist es völlig egal, wie groß Stögers Anteil an dem Kölner Debakel ist. Diese Frage hat sich ja auch bei Bosz und dem BVB nicht gestellt. Dem Österreicher hätten ein paar Wochen Pause sicher gut zu Gesicht gestanden, denn niemand schüttelt es einfach so aus den Kleidern, den ersten Klub betreut zu haben, der schon Anfang Dezember abgestiegen ist. Stattdessen wird Stöger von einer völlig rätselhaften Krise in die nächste gestoßen.

Anders gesagt, schon in Mainz steht für den BVB viel auf dem Spiel. Genauer gesagt: für die Vereinsführung. Man muss sich nur wenige Minuten in Kommentarspalten und auf Leserbriefseiten aufhalten, um zu erkennen, dass Hans-Joachim Watzkes Popularitätswerte dramatisch gefallen sind. Selten zuvor hat ein ohne Zweifel verdienter Vereinsvertreter innerhalb weniger Monate so viel Vertrauen an der Basis verloren. 

Selten Glück bei der Trainerwahl

Das ist schon sehr erstaunlich. Immerhin hat er es nicht zu verantworten, dass seine drei letzten Trainer – und Jürgen Klopp zählt dazu – kein gesteigertes Interesse daran gezeigt haben, herausragende Defensivspieler zu verpflichten. Das fiel bei Klopp nicht so auf, weil der nahe am gegnerischen Strafraum verteidigte. Und es fiel bei Tuchel nicht so auf, weil meistens seine Spieler den Ball hatten. Bosz musste nun die Suppe auslöffeln.

Andererseits … Vielleicht liegt es doch in Watzkes Verantwortung, schließlich hat er diese Trainer verpflichtet. Und das muss man an dieser Stelle auch einmal erwähnen: Seitdem er den auf Platz acht liegenden Bert van Marwijk entließ, dann eine Absage von Ottmar Hitzfeld bekam und schließlich Jürgen Röber holte, hat Watzke bei der Trainerwahl nur ein einziges Mal ein glückliches Händchen bewiesen. Auch dieser Trend muss rasch gestoppt werden, sonst dürfte nach einem ohnehin schon chaotischen Jahr für Borussia Dortmund zu Weihnachten der Baum nicht brennen, sondern lodern.