Ein Tag mit Chelseas Hardcore-Sturkopf Kepa Arrizabalaga

Chefsache

Chelseas Keeper Kepa sorgte gestern für DEN Eklat des Wochenendes, als er seine eigene Auswechslung verweigerte. Doch wer ihn besser kennt, der weiß: So besonders war die Aktion gar nicht. 

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07:05 Uhr

Kepas Wecker klingelt. »Denkste«, denkt Kepa, macht den Wecker aus und dreht sich nochmal um.

07:15 Uhr 

Kepa steht auf. Weil er das so will.

07:30 Uhr

Die Eieruhr röhrt seit Minuten, das Wasser im Topf ist nahezu komplett verdampft. Doch Kepa lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. »Hier entscheide immer noch ich, wann die Eier fertig sind.«

07:44 Uhr

Kepa bucht sich online einen Zahnarzttermin. Beim Frühstücken hat er sich ein Stück Schneidezahn abgebrochen. »Lecker war das Ei aber trotzdem«, versichert er seiner Freundin.  

08:17 Uhr

Wie jeden Morgen sortiert Kepa die Post. Heute dabei: ein Brief vom Kreiswehrersatzamt Bilbao-Süd. Kepa überfliegt das Anschreiben, gefettete Worte wie »Musterungsbescheid« und »Wehrpflicht« springen ihm sofort ins Auge. Aber, kein Grund zur Panik: Er wird ohnehin verweigern.

08:33 Uhr

Kepa macht sich auf den Weg zur Arbeit. An den Linksverkehr hier in London hat er sich noch immer nicht gewöhnt. »IN 500 METERN BITTE WENDEN«, fordert das Navi. »Im Leben nicht«, antwortet Kepa und folgt weiter seinen Instinkten.

09:08 Uhr
Kepa hat sich furchtbar verfranzt. Er taucht fast zehn Minuten zu spät beim Training auf.

09:30 Uhr

Zu Trainingsbeginn machen Chelseas Profis ein Eck auf. »Doppelrunde«, ruft Trainer Sarri Kepa zu, nachdem der in der Mitte getunnelt wurde. Kepa lächelt, zeigt die Daumen-Hoch-Geste. Und marschiert schnurstracks raus aus der Mitte.

10:14 Uhr

Es geht heute vor allem um taktische Dinge. Die Mannschaft steht im Kreis und diskutiert wichtige Fragen. »Wie verhalten wir uns bei gegnerischem Ballbesitz?«, »Wie bespielen wir im besten Fall die Halbräume?«, »Was machen wir, wenn uns der Trainer auswechseln will?«. Kepa pflückt derweil ein paar Gänseblümchen.  

11:24 Uhr
Nach dem Duschen wechseln alle Spieler ihre Unterhosen. »Die ist doch noch fit«, erklärt Kepa einem Sitznachbar seine eigene Unterwäsche-Situation.

11:59 Uhr

Vor dem Medienraum fängt Kepa Coach Sarri ab. »Maurizio: Die PK ist Chefsache«, sagt er dem Italiener, bevor er ihm kumpelhaft auf die Schulter klopft, die Tür öffnet und gen Blitzlichtgewitter läuft.



12:48 Uhr

Kepa hat Hunger. Mit seiner Freundin findet er ein schnuckliges italienisches Restaurant, nicht zu teuer, leckere Pizza, fünf von fünf grüne Kreise bei TripAdvisor. Kepas Freundin ist begeistert, vor allem der gemütliche Garten hat es ihr angetan. Immerhin scheint zum ersten Mal seit Monaten in England die Sonne. »Vergiss es!«, blockt Kepa ab. »Ich geh’ nicht raus!«.

14:52 Uhr

Kepa liegt gesättigt auf der Couch, im Fernsehen läuft das unterhaltsame »Ja-oder-Nein«-Gewinnspiel. Wie immer versucht Kepa sein Glück und ruft an. Und, Tatsache: Kepa wird live in die Sendung zur Moderatorin durchgestellt. Doch als seine große Stunde schlägt, fällt ihm nur das eine Wort ein. »Nein«, »Nein«, »Nein« ruft Kepa in den Hörer. Die Moderatorin lacht laut. Kepa verliert das Spiel.


16:03 Uhr

Jetzt klingelt das Festnetz-Telefon. Kepa rennt Richtung Arbeitszimmer. Rumms! Wie so oft bleibt er mit seinem dicken Kopf am Türrahmen hängen.

16:04 Uhr
Ein Anruf der Autowerkstatt. »Herr Kepa, wir empfehlen ihnen dringend, ihre Bremsbeläge auszutauschen, das wird langsam wirklich gefährlich«, sagt der Mechaniker. Klare Sache für Kepa: Die Beläge bleiben dran.

16:45 Uhr
Kepa macht mit seiner Freundin einen Spaziergang durchs Viertel. Vor einer Wechselstube bleibt der junge Baske verwirrt stehen. »Was soll das denn für ein Laden sein?«, fragt er seine Liebste kopfschüttelnd.


17:36 Uhr
Zurück zu Hause spricht Kepas Freundin mal wieder die Sache mit dem Babywunsch an. Kepa guckt auf den Boden. »Du weißt genau«, sagt er nach viel zu langer Zeit, »dass ich Veränderungen hasse.« Im Hintergrund läuft leise »Changes« von 2Pac.

19:26 Uhr

Die Stimmung ist wieder gut. Kepas Freundin hat ihrem Schatz ein Video von einem Fußballspiel aus den Fünfzigern gezeigt, aus einer Zeit, als Auswechslungen noch nicht ins Regelwerk aufgenommen waren. »Die goldene Ära«, murmelt Kepa wehmütig.

20:05 Uhr
»Empfehlungen für Kepa«, steht rot auf schwarz geschrieben, als Kepa die Netflix-App öffnet. Sofort schließt Kepa die App wieder.

21:14 Uhr

Statt Netflix schauen Kepa und seine Freundin Tatort. Sie sind nicht begeistert. »Der Hauptdarsteller überzeugt mich überhaupt nicht«, sagt Kepas Freundin. »Der hat so gar nichts besonderes an sich, der ist doch total austauschbar.« »Was für ein Loser«, antwortet Kepa und döst zufrieden ein.