Ein Nachruf auf Eusébio

Besser als Pelé?

Eine Karriere aus einer anderen Zeit. Obwohl der Fußballer mit seiner Athletik, seiner Geschwindigkeit und dem daraus resultierenden Tempofußball seiner Zeit voraus war. Eusébio war immer schneller, immer kraftvoller, immer zielstrebiger als seine bemitleidenswerten Gegenspieler. Hilflos suchten seine Bewunderer nach einem passenden Spitznamen. Gegen den Beinamen »Pelé Europas« wehrte er sich ausgiebig. Mit dem anerkannt besten Fußballer seiner Zeit wollte er nicht in einem Atemzug genannt werden. Also einigte man sich auf »Pantera Negra«. »Der schwarze Panther« – das hätte heute gleich einen ekelhaften rassistischen Unterton, der Raubtiervergleich dürfte in den sechziger Jahren aber eher aus atemloser Bewunderung entstanden sein.

»Er übertrifft sogar Pelé!«

Spätestens 1966 erlangte Eusébio Weltruhm. Bei seinem einzigen WM-Auftritt erzielte er neun Tore für Portugal, darunter jene unglaublichen vier bei der spektakulären Aufholjagd gegen Nordkorea im Viertelfinale. Aus einem 0:3 machte Portugal noch ein 5:3. Was nicht nur beim Reporter des Londoner »Sunday Express« Schnappatmung auslöste: »Eusébio ist schwarze Magie. Zählt man seine Talente zusammen, so übertrifft er sogar Pelé, würde ich sagen. Dieser Fürst unter den portugiesischen Spielern hat die außergewöhnliche Fähigkeit, jeglichem Stoppversuch des Gegners zu entgehen.« Englands Nobby Stiles fand im anschließenden Halbfinale dann doch ein Mittel: Er trat Eusébio einfach zu Klump, ohne dafür angemessen bestraft zu werden. Eine interessante Vorstellung, wie weit es Eusébio mit seinen Fähigkeiten in der heutigen Zeit gebracht hätte, wo Stürmer wie er von Schiedsrichtern geschützt und nicht als Freiwild von aufgedrehten Manndeckern betrachtet werden.

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Es gibt noch so viel mehr zu erzählen. Wie es Eusébio schaffte, 1137 Tore zu erzielen. Dass er Zeit seiner Karriere bei Benfica blieb, weil ihn Portugals Diktator Salazar trotz persönlich vorgebrachter Bitten des Stars nicht ziehen ließ und öffentlich als Eigentum des portugiesischen Volkes betitelte. Wie dreist die Verantwortlichen von Benfica das ausnutzten, und dem Mann, der Millionen Menschen für die Spiele seiner Mannschaft begeisterte, lächerliche 50 Pfund pro Monat bezahlten. Wie er 1968 gegen Manchester United bei seiner vierten Europapokal-Finalteilnahme die dritte Niederlage einstecken musste. Wie er kurz vor dem Schlusspfiff im diesem letzten ganz großen Spiel seiner Karriere die größte Chance auf den Sieg seiner Mannschaft vergab, und, statt vor Wut und Enttäuschung zu zerfließen, Uniteds Keeper Alex Stepney die Hand schüttelte, um dem für seine tolle Parade zu gratulieren. Wie er 2003 von Weinkrämpfen geschüttelt wurde, als sein früherer Arbeitsplatz, das Estádio do Sport Lisboa e Benfica, abgerissen wurde. Wie sich so ein Leben anfühlt, als einer der besten Fußballer aller Zeiten.

Gerne hätte man es wie Franz Beckenbauer gemacht, wäre nach Lissabon geflogen und hätte sich mit Eusébio in seinem Lieblingsrestaurant betrunken. Hätte den alten Schoten gelauscht, zwischen klirrenden Gläsern randvoll mit Portwein. Die letzte Chance darauf ist am Sonntag verstrichen. Eusébio ist tot. Wir müssen alleine auf ihn anstoßen.