Ein Lobgesang auf die Spannung in der Bundesliga

Die beste Tabelle aller Zeiten

Nur zwei Punkte Abstand vom Tabellenführer bis zum Siebten, so spannend ging es an der Spitze des Bundesliga lange nicht zu. Grund für einen Lobgesang und ein ganz herzliches Dankeschön.

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Manchmal muss man auch einfach mal danke sagen. Was hiermit geschehen soll: »Ganz herzlichen Dank an all jene, die das möglich gemacht haben!“ So geht der Dank etwa an die schwarz-gelbe Therapiegruppe Borussia, die sich an diesem Wochenende erneut ganz wunderbar mit ihrer Wie-bringe-ich-einen-2:1-Vorsprung-nicht-über-die-Zeit-Neurose eingebracht hat. Schöner als der BVB bettelt in der Bundesliga derzeit niemand um den Ausgleich, diesmal in Freiburg. Danke auch an den einzigartigen Timo Werner, erneut Hauptdarsteller in dem Epos »Begrabt meine Torchance an der Biegung des Strafraums«. Mit bekannter Grandezza erlebte man den Leipziger Schnellläufer auch in Leverkusen in seiner Paraderolle des Chancentods, die er derzeit ausfüllt wie kein anderer. 

Die schwarzgelbe Therapiegruppe Borussia und der Chancentod

Danke an den wunderbaren FC Bayern und vor allem Manuel Neuer, sich am letzten Wiesn-Wochenende auf ganz volkstümliche Weise der TSG Hoffenheim ergeben zu haben. Nämlich durch »Bauerntricks«, wie der Welttorhüter die Gegentore analysierte. Aber Hoffenheim wäre ja auch schön doof gewesen, wenn sie es urbaner versucht hätten, dann hätten sie mit 7:2 einen auf die Mütze bekommen. Danke zuletzt an Jonas Hector vom 1. FC Köln, der am Samstagabend auf Schalke mit seinem Ausgleichstreffer in letzter Minute ebenfalls zu diesem Kunstwerk beigetragen hat.

Gemeint ist natürlich die Bundesligatabelle, die vorne fünf Teams mit 14 Punkten ausweist. Dass sich am Sonntag die Borussia aus Mönchengladbach mit zwei Zählern und der VfL Wolfsburg mit einem Punkt mehr vor diese 14er gesetzt haben, stört aber dieses Gesamttableau von irisierender Schönheit nicht. Im Gegenteil: Es ist die beste Tabelle aller Zeiten. 

Billigstes Clickbaiting und erstaunte Grundschulkinder

Okay, das ist natürlich totaler Unfug und billigstes Clickbaiting, denn die beste Tabelle aller Zeiten ist immer noch die rumänische Divizia C von 1983/84, in der am Saisonende fast jeder die gleiche Punktzahl hatte. Aber die aktuelle Bundesligatabelle bezieht ihren Zauber daraus, dass sie zum Verweilen einlädt, zum Studieren und vor allem zum Träumen. Sie lässt uns nämlich davon träumen, dass es in dieser Saison im Kampf um die Deutsche Meisterschaft spannend werden könnte und das mit der halben Bundesliga als Titelbewerber.

Was für ein Traum das ist! Kinder im Grundschulalter werden sich vermutlich erstaunt fragen, ob es möglich ist, dass der Deutsche Meister am Ende dieses Schuljahrs mal nicht Bayern München heißen könnte. Ältere Semester werden von Glasnost und anderen Fällen gestürzter Empire schwärmen. In den unterschiedlichsten Regionen des Landes machen sich die Anhänger von Klubs leise, ganz leise und total leise (Schalke) Hoffnung darauf, den Titel zu gewinnen. Eine bundesweite TED-Umfrage, falls es überhaupt noch TED-Umfragen gibt, dürfte den SC Freiburg als Meister der Herzen ausweisen.

Weil wir aber alle ausgebuffte Fußballkenner sind, die das Wort »Momentaufnahme« in ihren aktiven Wortschatz haben, wissen wir, dass diese Tabelle nach sieben Tagen natürlich nur eine Momentaufnahme ist. Wir wissen überdies vor allem, dass der FC Bayern am Ende doch wieder Meister wird, weil die Trottel von der Konkurrenz zu blöd sind, die Blödheit der Bayern auszunutzen und lieber eine schöne Tabelle machen statt einen schönen Vorsprung rauszuspielen, den sie am Ende aber auch wieder verspielen würden. Aber hübsch ist Tabelle gerade wirklich.