Ein Jahr mit Schalkes Trainer Domenico Tedesco

Glück auf! auch auf Schalke

In der Sommerpause geht alles plötzlich sehr schnell. Der Fußball ist manchmal auch gerecht, und so ist Aue in der Liga geblieben, obwohl das letzte Spiel verlorenging. Und Domenico Tedesco ist nicht mehr Trainer im Erzgebirge, sondern wird als neuer Coach des FC Schalke 04 vorgestellt. »Ja, zunächst einmal: Glück auf!« So stellt er sich in Gelsenkirchen der Presse vor, derweil sich vor ihm ein Wald aus Mikrofonen türmt und unzählige Objektive klicken, neben ihm sitzt Schalkes Manager Christian Heidel und freut sich.

Wende zum Besseren

Die Verpflichtung des Trainertalents soll auch für ihn die Wende zum Besseren bedeuten. Der Manager von Schalke 04 hat keine einfache Saison hinter sich. Der Klub wollte in die Champions League, hat die Saison aber auf Rang elf abgeschlossen. Also hat sich Heidel beim letzten Spiel der Auer in Düsseldorf auf die Tribüne gesetzt und Tedesco beobachtet. Ihm fällt auf, wie eng das Verhältnis zwischen Tedesco und seiner Mannschaft ist, wie er vor dem Spiel zu den Spielern geht und ihnen Kleinigkeiten erklärt.

Der ist ja wie Tuchel, denkt Christian Heidel und lädt Tedesco zu sich in die Mainzer Wohnung ein. Auf dem Sofa im Wohnzimmer haben viele Anwärter gesessen und dem sendungsbewussten Heidel viel zu oft recht gegeben. »Wenn ich gesagt habe, dass der Ball eckig ist, haben mich darin viele unterstützt, weil sie den Job haben wollten. Domenico hat darauf bestanden, dass der Ball immer noch rund ist«, erinnert sich Heidel. Stundenlang reden sie an diesem Nachmittag über Fußball im Allgemeinen, Schalke im Speziellen. Tedesco hat in den letzten Wochen eine Schalker Mannschaft beobachtet, die Extravaganz vermissen lässt und durch oft unerklärliche Aktionen ihre Spiele verloren hat.

Heidel braucht Rückhalt

Heidel will Tedesco als neuen Coach. Aber was löst ein 32-jähriger Trainer aus Aue bei Schalke 04 und seinen Fans aus? Kann er mit den Erwartungen, dem Druck und den oft überschäumenden Reaktionen umgehen? Seit Huub Stevens im Jahr 2002 demissionierte, hat der FC Schalke 18 Trainer eingestellt und oft rasch wieder rausgeworfen, zuletzt Jens Keller, Roberto di Matteo, André Breitenreiter und Markus Weinzierl. Heidel braucht deshalb schon vor der Verkündung Rückhalt im Verein.

In Berlin treffen sie Geschäftsführer Peter Peters und Vorstandsmitglied Alexander Jobst. Anschließend stellt Heidel in der Fleischfabrik von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück Tedesco vor. Der Präsident ist begeistert. Noch am gleichen Tag organisiert er eine Telefonkonferenz mit dem Aufsichtsrat – das Urteil ist einstimmig.