Ein Horrortrip in die Zukunft

Holot mich hier raus!

Unser Autor wollte wissen, wer im Sommer zum Audi-Cup nach München kommt. Er geriet in die erste Hologramm-Pressekonferenz der Fußballwelt.

AUDI AG

In der vergangenen Woche bekam ich eine Einladung in die Zukunft. Eigentlich wollte der FC Bayern München nur die Teilnehmer am Audi-Cup bekanntgeben, einem unwichtigen Vorbereitungstunier im Sommer. Aber da stand dieser eine Satz: »Während Carlo Ancelotti auf dem Podium in München Platz nehmen wird, schalten sich die Trainer der internationalen Teilnehmer per 3D-Hologramm live dazu.«

Eine Hologramm-Pressekonferenz? Das klang einerseits aufregend, andererseits nach einem Sinnbild für den modernen Fußball. Buchstäblich. Zeit für einen Realitätsabgleich.

Am Eingang begrüßt mich ein Mann, von dessen Aussehen ich mich direkt gedemütigt fühle. Ich glaube, er stammt aus einer ultramodernen Klonfabrik für casual-legere Sportfunktionäre: 1,90 Meter groß, Hemd ohne Krawatte, das Lächeln eines Gewinners.

»Herzlich Willkommen beim FC Bayern«, sagt er mit einem Handschlag, wie man ihn bestimmt nur in Seminaren für junge Führungskräfte lernen kann. Ich stammele: »Hi, ich, ähm, ich will zu den Hologrammen«


Ein Pokal wie ausgedacht von Produktdesignern

Im Vorraum der Pressekonferenz steht die Trophäe des Audi-Cups, die dem UEFA-Pokal ähnelt: Es ist die selbe Form, bloß ist die Oberfläche des Audi-Pokals ganz glatt. Ich spiegele mich darin und stelle mir vor, wie Silicon-Valley-Produktdesigner den UEFA-Pokal einem rebranding unterzogen haben, um diesen perfekten Pokal für die Zukunft zu erschaffen.

Ich gehe vom Vorraum in den schummrig-rot beleuchteten Saal, in dem Lounge-Musik läuft. Eigentlich ist dieser Raum eine Turnhalle. Ein Basketballkorb ist hochgeklappt, er kratzt an der Wellblech-Decke. Der eilig verlegte Teppich und die schweren Stoffe vor den Fenster schlucken Schall und Licht. Als wolle man den Sport aussperren, den schwitzigen, stinkenden Sport, und ihn durch eine keimfreie Version ersetzen.