Ein Hoch auf die türkischen Fans

Völlig Gala-Gala

Während in Deutschland Neuzugänge auf biederen PKs vorgestellt werden, versetzen türkische Fans ganze Flughäfen in Ausnahmezustand. Zeit, nachzuziehen.

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Derzeit kursiert ein Video im Netz, das die Ankunft des Fußballers Nani am Istanbuler Flughafen zeigt. Hunderte Menschen drängeln sich chaotisch durch die Eingangshalle, Pyrotechnik wird gezündet, lauter Gesang angestimmt, die Szenerie schwankt irgendwo zwischen Bürgerkrieg und Volksfest. Auch ohne die türkischen Sprechchöre zu verstehen, scheinen die Bilder zu sagen: »Endlich ist er da«. Nani, der Messias.

Zur Erinnerung: Nani ist ein portugiesischer Kicker, dem einst eine große Karriere vorhergesagt wurde, dessen Hang zur Fummelkuttigkeit sein Talent aber bisweilen überlagerte. Der Mann stand sich immer irgendwie selber im Weg, quasi durch einen unnötigen Übersteiger. Klar, Nani ist 2008 Champions-League-Sieger geworden, aber trotzdem hat man das Gefühl, da wäre mehr dringewesen. Womit er übrigens gut ins Beuteschema der Istanbuler Großklubs passt und in direkter Erbfolge von Alleinikovs und Diven wie Riquardo Quaresma oder Guti steht. Die Fans stört das alles freilich nicht.

»Ja, äh, es war natürlich überwältigend«

Denn vom Sportlichen scheinen die alljährlichen Flughafen-Jubelstürme ohnehin losgelöst. Selbst Kickern wie Fabian Ernst oder Reto Ziegler, die eher zum Schlage der soliden Arbeiter gehören, wird in Istanbul ein Empfang bereitet, als würden sie Besiktas/Fenerbahce/Galatasaray im Alleingang zum Champions-League-Sieg schmankerln.

Von Ernst gibt es ein Video, das den bodenständigen Hannoveraner im Interview zeigt, nur Sekunden nachdem er von 300 Enthusiasten auf Schultern durch die Flughafenhalle getragen wurde. Ernst blickt rotbäckig und mit glasigem Blick beseelt in die Ferne, antwortet fahrig auf die Fragen des Journalisten und wirkt wie der Normalo von Nebenan, der gerade von seinem Lottogewinn erfahren hat. »Ja, äh, es war natürlich überwältigend«, stammelt Ernst wie in Zeitlupe ins Mikro, um den Blick danach wieder fahren zu lassen, in die Ferne, wo am Horizont wahrscheinlich noch eine feiernde Menge steht, die seinen Namen skandiert.