Ein Experiment: Zwölf Stunden »Sky Austria«

Wie der Bergdoktor im Helikopter

18:55 Uhr 
In Mattersburg tritt derweil ein Spieler dem anderen in die Hoden. Und das direkt vor der Bande, die der »Malerbetrieb Stangl« gemietet hat. Nicht auszudenken, wie groß der Imageschaden für das kleine Familienunternehmen ist. Kämpfe mit den Tränen.

19:16 Uhr 
Kämpfe immer noch mit den Tränen.

19:00 Uhr 
Von Mattersburg nach Wolfsberg, von Wolfsberg nach Wien und wieder zurück: Es mag auch an der vielen Brause liegen, aber ich fühle mich wie der Bergdoktor im Helikopter. Irgendwie erhaben. Wenn nur dieses Gekicke nicht wäre!

19:06 Uhr 
Da ruft plötzlich jemand aus dem Äther: »Jetzt haben wir endlich das erste Tor in der Konferenz! Wer hat getroffen, Gerfried?« Keine Ahnung. Und bitte nennen Sie mich nicht »Gerfried«.

19:14 Uhr 
Halbzeit. Wobei ich nach nun neun Stunden sagen würde: Die Zeit ist eher halb leer als halb voll.

19:25 Uhr
Was Andreas Herzog wirklich sagt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, was ich höre: »A Eitrige mit an Biagl Zwiebalsüßkren und a 13er-Blech von herauß’n.«

19:39 Uhr 
Ein Innsbrucker schießt ein Tor, und was sagt der Kommentator? »Der Wuschi ist wieder da!« Ist das noch Verniedlichung oder schon Zerniedlichung? Darauf erst mal ein Bräuschen.

19:44 Uhr 
Die bleierne Langweiligkeit der Partien erlaubt es mir, mal in Ruhe aufzulisten, wer so alles auf den Trikots und Hosen des Wolfsberger AC wirbt: Villacher Bier (rechter Oberschenkel), Waldtratte Restaurant (linker Oberschenkel), VM Holz (Gemächt), Prefa Dächer (rechter Oberarm), Robitsch Obst und Gemüse (rechte Schulter), Skoda (rechte Hüfte), Pellets Ökostrom (Brust), Velox Bausysteme (linker Oberarm), ORF (linke Schulter), Piberstein (Rücken), Kleine Zeitung (Arsch). Achtung! Noch ist Platz auf der linken Hüfte, liebe Geschäftsleute! Dort könnte Ihre Werbung stehen!

20:09 Uhr
In Mattersburg fällt das 1:2. »Aufschluss!«, ruft der Kommentator. Das Wort »Anschluss« hört man in Österreich nun mal nicht so gern.

20:21 Uhr 
Österreich pfeift ab. Jubel in Innsbruck und Wien. Was in etwa so klingt, als hätte eine alleinstehende Hausfrau ein Sudoku gelöst.

20:28 Uhr 
Enttäuschung hingegen in Mattersburg. »Co-Trainer Carsten Jancker muss tröstende Worte finden«, findet der Kommentator. Jancker wühlt in den Taschen seines Trainingsanzugs: Nix drinne. Is doof jetz, ne.

20:45 Uhr 
Markus Schopp, Trainer von Sturm Graz, steht um Viertel vor neun unter einem funzeligen Flutlicht, das der grantige Platzwart sekündlich abschalten könnte, und soll die Beschissenheit der Dinge erklären. Und gleich kommt bestimmt ein Sponsor herbeigelaufen und reißt ihm wutentbrannt seinen Aufnäher vom Jogginganzug. Ein Trost: Er hat ja noch 21 andere.

21:06 Uhr 
Jetzt fasst »Sky Austria« die Zusammenfassungen zusammen.

21:30 Uhr 
Mittlerweile würde ich es durchaus begrüßen, wenn statt Fußball ein Hansi-Hinterseer-Konzert gezeigt würde. »Sky Austria«: Meine Hölle, meine Heimat.

21:44 Uhr 
Die letzte Brause ist getrunken, mit weit aufgerissenen, aber gelähmten Augen starre ich auf den Fernseher. Um einzuschlafen, werde ich mich wohl selbst bewusstlos prügeln müssen.

21:25 Uhr 
Die Zusammenfassung der Zusammenfassung der Zusammenfassung. Und Torwart Eddie Gustaffson, in Philadelphia geboren, in Stockholm aufgewachsen, zwischendurch mal in Norwegen und jetzt in Salzburg tätig, sagt: »Dös is Fuaßboll!«

21:31 Uhr 
Wie begrüßt mich wohl der Teufel in der Hölle? Wahrscheinlich mit den Worten: »Herzlich willkommen zu ›Alle Spiele, alle Tore‹!« Es geht wieder von vorne los, »Sky Austria« sendet alles noch einmal. Und was ist das Einzige, was ich noch denke? Naturgemäß: »Dös is Fuaßboll!«

21:59 Uhr 
Das Experiment geht zu Ende. Ein Versuch, wie gesagt, von Selbst kann keine Rede mehr sein. 12 Stunden »Sky Austria«. Ich habe verloren. Dös is Fuaßboll! Und ich rufe: Andere mögen Kriege führen, du, glückliches Österreich, sende!