Ein ehemaliger Austria-Ultra bei Rapid Wien

Entrup ist ein Heimatloser

Rapids Sportdirektor Andreas Müller, der aus seiner Zeit als Spieler und Manager auf Schalke mit besonderen Fanrivalitäten bestens vertraut ist, findet so was natürlich nicht witzig.

Dennoch stellte er sich zunächst nur halbherzig vor seinen Schützling: »Es ist eine Mail, die ins Lächerliche zielt, irgendwie Slapstick ist«, urteilte der Schwabe, nachdem er Entrups Fan-Vergangenheit zuvor lapidar als »Jugendsünde« abgetan hatte. »Natürlich ist es keine einfache Geschichte«, beschwichtigt Müller, »wir sollten es aber auch nicht zu einem Riesenthema machen.«

Genau das ist es aber schon längst. Beim 318. Wiener Derby am vergangenen Wochenende (4:1 für Rapid) waren im Sektor der grün-weißen Gäste zwei Spruchbänder zu sehen. Eines auf Wienerisch: »Kaufn wü di kana, trotzdem bist a Austriana«. Eines auf Hochdeutsch – vielleicht, um sicher zu gehen, dass auch Müller und Büskens die Message verstanden: »Entrup – keiner von uns«.

Gellende Pfiffe von Rapid- und Austria-Anhängern

Das violette Lager gab auch noch seinen Senf dazu: »Max Entrup: Violetter Nachwuchs-Ultra als grün-weiße Stürmerhoffnung?« Dass der bemitleidenswerte Bursche in den Schlusssekunden von Büskens noch zu einem Kurzeinsatz beordert wurde, war sicher gut gemeint. Doch als Entrup den Rasen betrat, erntete er gellende Pfiffe von Rapid- und Austria-Anhängern.

Entrup selbst äußert sich erst einmal gar nichts zu seiner misslichen Lage. Er darf nicht. Und vermutlich will er auch nicht. Was sollte er der Rapid-Öffentlichkeit auch sagen? Etwa: Ja, ich war Austria-Fan – aber das war ein Fehler? Oder: Ich habe Rapid zwar nie wirklich gemocht – aber ich gelobe, als Profi alles für diesen Klub zu geben? Wohl kaum!

Auch gegenüber seinen ehemaligen Mitstreitern in der Austria-Fanszene hätte Entrup vermutlich Probleme, sich zu erklären. Soll er ihnen sagen: Ich spiele zwar für unseren Erzfeind – aber im Innern meines Herzens bin ich natürlich Austrianer? In Wahrheit ist der blasse Schlaks derzeit weder ein Grüner noch ein Violetter. Entrup ist ein Heimatloser, der sich im zweigeteilten Fußball-Wien auf keiner Seite mehr blicken lassen kann.

»Egal was war, für uns Mitspieler ist Maxi einer von uns!«

Vielleicht hilft es dem Youngster, dass wenigstens seine Teamkollegen bei Rapid zu ihm stehen. Keeper Richard Strebinger postete bereits nach dem 5:0 gegen Ried und dem ersten Anti-Entrup-Transparent: »Was mich wie auch meine Mitspieler heute etwas schockiert hat, war, wie unser Mitspieler ‪Maxi Entrup‬ von den eigenen Fans attackiert wurde. Egal was war, für uns Mitspieler ist Maxi einer von uns!«

Für große Teile der Fanszene wird er das vermutlich nie werden.