Ein ehemaliger Austria-Ultra bei Rapid Wien

Inferno in der grünen Hölle

Als Jugendlicher soll Maximilian Entrup »Rapid verrecke!« gesungen haben. Nun aber wechselte der Stürmer zu den Grün-Weißen – und gleich zwei Fanszenen toben vor Wut.

imago

Für die Öffentlichkeit begann die Geschichte erst vor wenigen Wochen, genau gesagt: am 23. Juli. Rapid Wien zerlegte am ersten Spieltag der österreichischen Bundesliga gerade die SV Ried mit 5:0, als die »Ultras Rapid« ein riesiges Transparent entrollten: »M. Entrup – die grüne Hölle wird für dich zum Inferno«.

Auf der Haupttribüne des nagelneuen Allianz Stadions blickten viele Besucher einander fragend an. Schließlich war Rapid-Neuzugang Maximilian Entrup, dem das Spruchband gewidmet war, nicht gerade der Stareinkauf des Sommers gewesen. Kaum jemand kannte den 19-Jährigen. Der Offensivspieler war vom kleinen Wiener Vorortklub Floridsdorfer AC aus der zweiten Liga zu den Grün-Weißen gewechselt – als Perspektivspieler.

Ein missglücktes Wortspiel?

Seit jenem heißen Sommertag ist Entrup landesweit bekannt. Nur: Seine Aussichten auf eine Karriere beim österreichischen Rekordmeister sind mehr als getrübt. Auch wenn Rapid-Präsident Michael Krammer in dem Hass-Transparent »nur ein missglücktes Wortspiel« sah.  

Für Maximilian Entrup begann diese Geschichte bereits vor circa vier Jahren. Der Offensivspieler, so fanden Agenten aus dem Umfeld der Rapid-Fanszene heraus, hat in seiner Jugend nicht nur für den verhassten Lokalrivalen Austria Wien gespielt (das wäre womöglich noch verzeihlich), sondern war als Teenager zudem mit den Jungs von »Inferno« umhergezogen, einer Ultra-nahen Fangruppierung aus dem Umfeld der Violetten.

Wie »Inferno« nun genüsslich mitteilt, war Entrup zwar »weder ein aktives, noch ein passives Mitglied«, aber er sei 2013 zur Gruppe gestoßen und: »Wenn er Zeit hatte, bastelte er an Doppelhaltern, kaufte sich regelmäßig Aufkleber und war auch oft auf der Osttribüne anzutreffen.« Zudem habe er »bei allen Liedern fleißig mitgesungen« – so auch bei »Rapid verrecke«.

Für Rapids Vereinsbosse begann die Geschichte im Juni, während der Saisonvorbereitung. Kurz nach Bekanntgabe der Entrup-Verpflichtung machten Gerüchte die Runde. Von Unruhe in der aktiven Fanszene war die Rede. Von einer möglichen Vergangenheit Entrups als Austria-Ultra. Von hektischen Versuchen, diese Angelegenheit irgendwie zu regeln, die Gemüter zu beruhigen, den Fokus auf den gemeinsamen Erfolg zu lenken: Die Fanszene, die Rapid-Führung, die Mannschaft mit ihrem neuen Coach Mike Büskens und natürlich Entrup sollten gemeinsam zum Sturm auf den ungeliebten Dosenklub RB Salzburg blasen. Doch das blieb Wunschdenken.

Und nun gibt es gleich mehrere heikle Probleme: Die Fanszene sieht einen Spieler, der das Wappen ihres Vereins trägt, obwohl er diesen womöglich abgrundtief hasst. Entrup trainiert bei einem Klub, bei dem er groß rauskommen wollte, von dessen Umfeld er jedoch kleingemacht wird. Und der Verein hat einen Kicker, den er derzeit kaum einsetzen, aber auch schlecht wieder abgeben kann. Letzteres würde nach einem Einknicken vor der Fanszene aussehen.

Böllerwurf auf Entrup

Die Entrup-Feinde geben derweil nicht klein bei, im Gegenteil: Beim Auslaufen nach dem Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Torpedo Zhodino aus Weißrussland (3:0) landete ein Böller in der Nähe von Entrups Füßen – kaum jemand glaubt an Zufall. Immerhin: Der Böllerwerfer erhielt Stadionverbot.


Bild: Imago

Die Rapid-Gruppe »Lords« verfasste derweil eine E-Mail an die Manager sämtlicher österreichischer Profiklubs, in der sie Entrup zum »Verkauf« anbot. Darin heißt es: »Im Sommertransferfenster 2016 kam beim SK Rapid ein junger Spieler unter Vertrag, der, wie sich herausstellte, aufgrund seiner persönlichen Abneigung gegen unseren Verein leider nicht zu uns passt. Wir suchen nun also dringend einen Käufer für Maximilian Entrup.«

Zudem schrieben die »Lords«, in Anspielung auf die angeblich lasche Moral in Reihen der Austria-Fanszene: »Aufgrund seiner Vergangenheit (...) gilt er zwar als zweikampfschwach, kann dieses Manko jedoch durch seine enorme Laufstärke glänzend ausgleichen.«