Ein Brief an den SV Meppen

1ste Liebe

Mit dem SV Meppen hat unser Autor unzählige Täler durchschritten. In dieser Saison ist alles anders. Zeit für einen überfälligen Liebesbrief.

Nikita Teryoshin
Heft: #
185

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Lieber SV Meppen,

diesen Brief habe ich schon oft versucht zu schreiben. Meine Gefühle für dich in Worte zu fassen. Aber ich bin immer wieder gescheitert. Dies hier wird mein letzter Versuch sein. Es muss jetzt alles mal raus.

Emsländer war ich schon immer. Fan von dir seit der Zweitliga-Saison 1997/98. Erstes Spiel gegen Carl-Zeiss Jena. Bernd Schneider war auf dem Feld das Beeindruckendste an diesem Nachmittag im April, aber das konnte ich nicht wissen. Ich baute zwischen Absperrzaun und Stehtribüne eine beeindruckende Sandburg. Kurz darauf stiegst du ab und kamst nie wieder.

Große Gefühle

Erinnerst du dich noch daran, wie ich als Balljunge zwei Bälle hintereinander unter der Bande hervorgeholt habe? Oder als ich dir nach Plauen und Leipzig gefolgt bin? Wahrscheinlich nicht. Du hast so getan, als hättest du mich gar nicht gesehen. Für mich waren es trotzdem große Gefühle.

Vor ein paar Wochen kam der Kollege Kirschneck zu mir an den Schreibtisch. »Wir machen das jetzt. Mit dem SV Meppen«, meinte er trocken. Fünfseitige Reportage für das neue Heft. Ab ins Emsland. Was wäre es denn, das Besondere am Emsland, am SV Meppen, fragte mich Kirschneck neugierig. Ich wusste keine Antwort. So viele Wörter unsortiert im Kopf, dass ich stumm blieb. Bitte sieh es mir nach, die ersten Wochen ohne dich waren für mich nicht einfach.

Was bedeutet das eigentlich, einen Herzensverein zu haben? Meine Kollegen hier sprechen ständig von Champions League, Meisterschaft und Millionentransfers. Wir beide sprechen vom TSV Havelse und Regionalliga-Relegation. Eine Liebesbeziehung haben wir selten geführt, es ging uns meist doch eh nur ums Durchhalten.

Ich hätte dich immer verteidigt

Vielleicht wäre aus mir, wenn du nicht in diesem Sommer 1998 abgestiegen wärst, ein ganz normaler Fan geworden. Zweite Liga, ab und an Duelle gegen Fortuna Düsseldorf oder Hannover 96. Du hättest manchmal auf die Fresse bekommen, du hättest mich manchmal blamiert, ich hätte dich immer verteidigt.

Aber du bist abgestiegen. Erst in die Regionalliga, später dann Oberliga und auch da hättest du fast schlappgemacht. Von deinen finanziellen Nöten hast du mir viel zu spät erzählt. Ich hab’ es aus der Zeitung erfahren. Stellst du dir so eine Beziehung vor?