Ein Abschiedsbrief an Island

Turniermannschaft

Das Ende war deutlich und schmerzhaft, doch die Auftritte der Isländer bei diesem Turnier bleiben unvergessen. Wir bedanken uns.

Imago

Isländer!

Das Turnier mag für euch offiziell vorbei sein. Wer ausscheidet, der ist raus und muss nach Hause, so funktioniert ein Turnier eben. Und doch habt ihr in diesen drei Wochen dafür gesorgt, dass wir Skeptiker und Schwarzmaler wieder an das Gute im Fußball glauben durften. Dass wir zu unserer eigenen Verwunderung feststellten, dass es solche Geschichten wie die eure auch im Jahr 2016 noch geben kann. Dass im Fußball, überzüchteten Superstars und Fantasie-Transfersummen zum Trotz, doch noch immer jeder jeden schlagen kann. Das wird euch einen unverrückbaren Platz in der Geschichte der Europameisterschaften einbringen. Manchmal ist das mehr wert als ein Titel.

Island vs. Ronaldo

Da war diese ungestüme Unbekümmertheit, mit der ihr in das Turnier gestartet seid. 1:1 gegen Portugal, gegen Cristiano Ronaldo, der vermutlich mehr wert ist, als sämtliche Stadien und Sportanlagen auf Island zusammen. Ausgerechnet der warf euch nach dem Spiel »fehlende Mentalität« vor und verweigerte den Trikottausch. Welch großartige Steilvorlage – wenn man denn Humor hat. Über den verfügen eure Nationalspieler ganz offensichtlich: sie kauften ihrem Kapitän einfach ein (gefälschtes) Ronaldo-Trikot und ließen das portugiesische Gezeter an sich abprallen.