Ein 96-Fan nimmt Abschied

Wie ein ausgeknockter Boxer

Einmalig war wiederum dieser kalte Wintertag in Kopenhagen. Über zehntausend Fans haben unsere Jungs nach Dänemark begleitet, um sie in die K.o.-Runde im Europapokal zu schreien. Legendär: der Torjubel von Lars Stindl nach seinem Traumtor zum entscheidenden 2:1. Er drehte ab, hielt sich seine Hand ans Ohr, als würde er telefonieren. »In Kopenhagen schellt das Telefon.« Auch wenn ich die Partie nur am Fernseher verfolgen konnte: Beim Gedanken daran bekomme ich immer noch Gänsehaut.
 
Apropos Gänsehaut. Die hat ein Mann zurückgebracht: Daniel Stendel. Gegen Bielefeld im Aufstiegsjahr lief er neben mir noch als Spieler auf den Platz – jetzt ist er der Abstiegstrainer. Die Klammer scheint sich zu schließen. Vielleicht fühle ich mich gerade durch diese Bedeutungsschwere wie ein ausgeknockter Boxer, der aufs Parkett kracht.
 
Ich blättere die letzte Seite um, schließe das Geburtstagsheft, atme tief durch, erinnere mich: Bei meinem ersten Besuch im Niedersachsenstadion versagten kurz vor Schluss einige Leuchten der Flutlichtmasten. Sogar den Bratwurstbuden wurde der Strom abgedreht, um das letzte Licht zu erhalten. Nun, 14 Jahre später, sind die Lichter schließlich ausgegangen.