Dynamo Dresden protestiert

Giraffen ohne Zukunft

Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten, der ersehnte Dresdner Stadionneubau ist in Gefahr. Um den damit verbundenen Entzug der Lizenz zu verhindern formiert sich daher der Widerstand - vor dem Rathaus. Imago Die vier 60 Meter hohen Flutlichtmaste erinnern an ein langhalsiges Tier – nur folgerichtig, dass sie von den Dresdnern liebevoll „Giraffen“ genannt werden. Die freistehenden Strahler wurden 1969 aus Ermangelung einer passenden Dachkonstruktion konzipiert. Denn das Rudolf-Harbig-Stadion kommt seit jeher ohne Wind- und Wetterschutz aus. Und weil sich während der nachfolgenden Jahrzehnte kaum etwas am Stadionkomfort verändert hat, ist das nur verständlich, dass Dynamo Dresden seine marode Heimat an der Lennéstraße 12 dem heutigen Standard entsprechend umbauen will. Doch geht es nicht nur um ein modernes Stadion, „sondern um die Zukunft des Profifußballs in Dresden“, wie Hauptgeschäftsführer Volkmar Köster sagte.

Die geplante Investition von 43 Millionen Euro ist aber in Gefahr. Die Fronten zwischen Regierungspräsidium und Aufsichtsratbehörde, den relevanten Verhandlungspartnern, haben sich verhärtet. Der Kommune ist das finanzielle Risiko zu groß und das Mitspracherecht bei der zukünftigen Nutzung der Arena zu gering. In einem Monat soll es trotzdem zur Einigung kommen. Ungeachtet des Versprechens haben Verein und Fans angekündigt, für den Bau eines neuen Stadions zu demonstrieren. Nach dem Regionalliga-Heimspiel am Samstag gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen sollen sich bis zu 10.000 Anhänger am Stadion formieren. Aus Sicherheitsgründen darf der Zug, bestehend aus dem Mannschaftsbus und zwei Trucks, nicht am Sitz des Regierungspräsidiums vorbeimarschieren, stattdessen soll der Baubeginn direkt vor dem Rathaus eingefordert werden.

Nur eine Verzögerung

Die Fans wissen was auf dem Spiel steht. Sollte der Neubau scheitern, dann droht dem Verein der Verlust der Stadionlizenz. Im Rudolf-Harbig-Stadion dürften ab der Spielzeit 2007/08 weder Zweit- noch Drittligaspiele ausgetragen werden. „Wir werden nicht aus dem Spielbetrieb genommen, aber Sanktionen sind möglich“, sagte Köster. Denkbar seien etwa Punktabzüge. „Inwieweit das angewendet wird, weiß ich nicht. Aber es ist möglich.“ Brisant dabei: Die Sachsen haben die aktuelle Lizenz für die Heimstätte nur unter der Auflage Stadionbau erhalten. Kritisiert seien vom DFB unter anderem die unbefestigte Aschenbahn, Stolperkanten auf den Tribünen und fehlende Sicherheitsstandards. Im Falle der Lizenzverweigerung würde sich der Verein eine alternative Spielstätte suchen müssen.

Wie ernst die Sache tatsächlich ist, zeigt diese Maßnahme: Der achtmalige DDR-Meister hat sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Darin bittet der Zweitliga-Absteiger „um Einflussnahme im Interesse einer positiven Entwicklung der Landeshauptstadt Dresden als nationale und internationale Sportstadt“. Und wie klug dieser Schritt war, zeigen die sinkenden Umfragewerte der Kanzlerin. Aber letztendlich sieht es doch gut aus, so dass Merkel nicht medienwirksam eingreifen muss – der Neubau verzögert sich ja nur. Einziger Wehrmutstropfen: Die zukünftige Arena wird ein Dach bekommen, worin die Flutlichanlage integriert werden kann. Die „Giraffen“, vertrauter Bestandteil der Dresdner Silhoute, werden wohl abgerissen.

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