Durch die Saison mit Hansa Rostock

Warum trotz Klassenerhalt ein komisches Gefühl bleibt

Zur Rückrunde wurden im Verein nochmal alle Hebel in Gang gesetzt. Alte Spieler gingen und neue kamen – wiedermal. Die meisten (Spieler-)Namen sind nur noch flüchtige Erscheinungen, deren Erinnerungswert gegen null tendiert. Die Erwartungshaltung war in jenen Tagen gering, aber die Mannschaft überraschte und legte eine erstaunliche Serie hin, die die Mannschaft weg von den Abstiegsplätzen führte. Und dann kam auch noch dieser Moment, in dem du denkst: Ja, wir schaffen es! Hansa siegte in der Nachspielzeit mit 2:1 in Halle. Am 32. Spieltag dann hat Hansa auf einmal neun Punkte zum ersten Abstiegsplatz. Zwischendrin das Spiel um die Lizenz zwischen Paule Beinlich und Rapper Marteria mit einem ausverkauften Ostseestadion und vielen alten (Hansa-)Legenden, was den Verein wiederbelebte. Die Zuschauer kamen auch zu den Ligaspielen zurück ins Stadion. Die Tristesse der Zugfahrt nach Erfurt schien verflogen. Hansa war wieder da!

Die Angst vor dem Sturz ins Nichts

Doch die Angst kehrte schnell zurück. Die Mitglieder wurden über einen möglichen Einstieg eines Investors informiert, da der Verein weiterhin die auf Bundesliga angelegte Infrastruktur nicht finanzieren könne und die Schulden nach wie vor die Existenz bedrohten. Dem positiven Votum der Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung für einen möglichen Einstieg des Investors folgten sportliche Rückschläge, die zum besagten Endspiel in Dresden führten. Hansa hatte einen Spieltag nur noch zwei Pünktchen Vorsprung auf Platz 18. Die Angst vor dem Sturz ins Nichts nach den zuvor erlittenen Niederlagen gegen direkte Konkurrenten und einer auf dem Zahnfleisch gehenden Mannschaft stieg wieder in die Höhe.

Sollte es doch noch passieren, der Sturz in die absolute Bedeutungslosigkeit? Und dann auch noch das letzte Spiel in Dresden. Die ganze Woche über wollte ich mich mit dieser Möglichkeit nicht beschäftigen und schaute ehrfürchtig in der Hoffnung zu den Erfurtern, dass diese Unterhaching schlagen würden. ein Sieg für Hansa schien schier unmöglich. Am Ende sollte es dank Rot-Weiß Erfurt reichen und als der Schlusspfiff bei beiden Spielen ertönte, kamen mir Tränchen der Dankbarkeit über die Möglichkeit, meinen Lieblingsverein weiterhin im Profifußball sehen zu können.

Vorbild Darmstadt

Ein komisches Gefühl aber bleibt. Im Grunde ist der Mannschaft der Rückrunde ein Riesenkompliment zu machen, in der sie sich mit viel Leidenschaft aus einem Sumpf gekämpft hat. Nichtsdestotrotz ist es eine weitere Saison, in der man dem Tod von der Klinge gesprungen ist. Erneut werden Spieler kommen und gehen. Erneut werden wir nicht wissen, wohin der Weg in Zukunft führen wird. Und insgeheim geht der Blick eines weinenden Hansa-Auges vielleicht nach Darmstadt, wo ein Verein aus den Irrungen und Wirrungen des Fußballs ohne viel Geld den Sprung zurück in die Bundesliga schaffte. Dorthin also, wo der F.C. Hansa sich über Jahre als kleiner Verein gegen die »Großen« so lange erfolgreich zur Wehr setzte. Es ist die Erinnerung, an die sich viele Hansafans noch heute klammern.