Durch den Tag mit Huub Stevens

Der beißt nicht, der will nur knurren

Huub Stevens hat sich am Wochenende mal wieder einen Journalisten zur Brust genommen. Wir fragen uns: Wie könnte ein Tag mit dem ewigen Knurrer wohl aussehen?

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Huub Stevens kann bestimmt auch ein ganz lieber Kerl sein. Zum Beispiel, wenn er gerade ein Fußballspiel gewonnen hat. Oder zur Abwechslung mal kein Journalist dumm daher kommt. Am vergangenen Wochenende war das leider nicht der Fall. Seine TSG Hoffenheim verspielte eine souveräne 3:1-Führung gegen Borussia Mönchengladbach (Endstand: 3:3) und dann stellte der Sportchef der »Rhein-Neckar-Zeitung« eine Frage, die Stevens nicht passte. Der setzte sein schönstes Knurrer-Gesicht auf, ließ die Augen blitzen wie ein im Winterschlaf gestörter Grizzly und machte den Fragesteller zur Schnecke. Zitat: »Manchmal muss man draufhauen. Aber du bist es eigentlich nicht wert.«

11FREUNDE meint: schöner knurren kann keiner. Und hat sich Gedanken über einen fiktiven Tagesablauf mit einem extrem schlecht gelaunten Huub Stevens gemacht.

6.30 Uhr
Der Wecker klingelt. Es ertönt die Hoffenheimer Tormusik. »Sieben Tage lang« von Bots, einer Band aus den Niederlanden. Viel zu laut, viel zu früh. Huub Stevens hatte eine schlimme Nacht. In seinem Traum erschien ihm Rollo Fuhrmann auf einer verwackelten Videoleinwand im Parkstadion. Alle vier Minuten brüllte der TV-Mann: »Deutscher Meister wird nur der S04!« Dazu tanzten Andy Möller und Ebbe Sand Lambada. Nackt. Mit einem gezielten Tritt zerlegt Stevens den Wecker in seine Einzelteile, nach zwei drei lautstarken Telefonaten lösen sich Bots auf, legt Hoffenheims Stadion-DJ sein Amt nieder, hat Stevens durchgesetzt, dass in Zukunft bei Heimspiel-Toren Hits der »Barking Beatles« eingespielt werden. Auf dem Weg ins Badezimmer stößt sich Stevens den Zeh, den schuldigen Türrahmen zersägt er nach einem unbefriedigenden Frühstück (Ei nicht hart genug, Kaffee eine Frechheit) im Garten. Mit der Handkante.

9 Uhr
Auf dem Weg zum Training hakt die Kupplung. Stevens schickt das Getriebe ins Straftrainingslager und kratzt vor lauter Wut mit seinem Schlüssel »Du bist es nicht wert« auf die Motorhaube. Natürlich bricht der Schlüssel ab. Fünf Minuten später lassen sich drei weinende »Mister Minit«-Mitarbeiter in Sinsheim-Eschelbach für den Rest der Woche krank schreiben. An der Tankstelle gerät Stevens in eine verbale Auseinandersetzung mit einem an der Tür wartenden Hund und weigert sich, die Rechnung zu bezahlen (»Ist es nicht wert!«). Die herbei gerufenen Polizisten müssen eine 20-minütige Tirade über den Sinn und Zweck von öffentlichen Ämter über sich ergehen lassen, ehe sie sich aus taktischen Gründen zurückziehen. Es ist das erste Mal, dass Huub Stevens lächelt. Ein Kleinkind, das dieses »Lächeln« beobachtet hat, fängt sofort an zu weinen.