Dries Mertens ist besser als Andere

Der gute Mensch von Neapel

Dries Mertens teilt viel in sozialen Netzwerken: Seine Erfolge mit dem SSC Neapel, die Liebe zu seiner Frau, seine Freunde aus der belgischen Nationalmannschaft. Aber es ist das, was er nicht teilt, was ihn besonders macht.

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Dries Mertens ist kein Egoist. Als der Stürmer Mitte Dezember vom Auswärtsspiel aus Turin heimkehrt, hat er seit sechs Spielen kein Tor erzielt, doch er ist dennoch guter Dinge: Seine Mannschaft, der SSC Neapel, hat sich die Tabellenspitze zurückerkämpft. Manche würden den Abend in einer feuchtfröhlichen Runde begießen, andere vielleicht auf der Couch mit der Frau Fernsehen gucken – Mertens ruft einen Freund an und sagt »Lass uns Pizza an Obdachlose verteilen.«

Gesagt, getan. Die beiden Männer kaufen Margheritas, schneiden sie in Stücke und verteilen sie am Hauptbahnhof an Obdachlose. In den nächsten Wochen wird er es immer wieder tun, immer an verschiedenen Orten in Neapel. Dabei vermummt sich der stadtbekannte Fußballer, manche Medien sagen mit Sonnenbrille, andere mit Mütze und Schal. Sicher ist sich da niemand, denn es gibt kein Beweisfoto: Mertens milde Gaben flogen dadurch auf, dass ihn jemand erkannte.

Wer tut heute Gutes, ohne ein Selfie zu machen?

Das Fußballer Gutes tun, gehört heute zum Produkt Profisportler dazu. Auf Weihnachtsfeiern von Fanclubs unangemeldet vorbeischneien, sich für nachhaltige Projekte engagieren, in den sozialen Medien auf Missstände hinweisen – das ist zur Norm geworden. Und das ist auch gut so. Was nicht normal ist, ist das Getane nicht Online zu stellen und somit nicht für Clicks, Likes und Aufmerksamkeit zu sorgen. Dries Mertens ist natürlich auch im Netz aktiv, man kann auf Instagram quasi das Leben des erfolgreichen Sportlers miterleben. Er shared nur nicht, was er aus Nächstenliebe macht – und er macht viel.

Er besucht regelmäßig Kinder in Krankenhäusern, spendet Trost und Trikots. Er sammelt gebrauchte Kleidung im Großraum Neapel und gibt sie an Kinder aus armen Familien, ebenso sendet er Medikamente an Kinder in Venezuela. Als er 2015 ein Foto eines überfüllten und heruntergekommenen Klassenraums in Guinea sieht, in dem ein Kind sein Trikot trägt, tritt er mit dem Fotografen in Kontakt und schickt der gesamten Klasse Kleidung und andere nützliche Dinge. Auch bringt er kontinuierlich Futter in ein Tierheim in Neapel, seine Frau und er haben mittlerweile einen der Hunde adoptiert. 

Der Mertens-Motor läuft mit Positivität

Erst nachdem seine Pizzaspenden für Obdachlose an die Öffentlichkeit kamen, zeigte Mertens in einem Video seine gemeinnützige Arbeit. In dem Video sagt er, dass er so viel helfen wolle, wie nur möglich, aber es nicht allen zeigen wollte. Den Kindern, Obdachlosen und Tieren wird es egal sein, ob andere sein Tun Liken, sie erfreuen sich an dem, was er ihnen gibt. Und er zieht vielleicht genau daraus seine Kraft: In den letzten zwei Spielzeiten der Serie A erzielte der Stürmer 44 Tore, die erste Meisterschaft für Neapel seit 28 Jahren ist diese Saison durchaus möglich.

Nun wolle er andere dazu inspirieren, dasselbe zu tun wie er, sagt er im Video. Es sei nicht schwer. Die traurige Wahrheit ist nur leider: So gut wie Dries Mertens ist kaum ein Mensch.