Dortmunds Aufholjagd gegen Stuttgart

Tannenbäume im September

Beim Spiel Borussia Dortmund gegen VfB Stuttgart gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: der Tannenbaum-Formation. Sie beschert dem VfB fast drei Punkte, doch Klopps offensive Wechsel retten den BVB. Unsere Taktikanalyse.

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Pünktlichkeit ist eine deutsche Tugend. Pünktlich zum Herbstanfang stehen jedes Jahr die ersten Weihnachtsprodukte in den Läden, und genauso pünktlich beginnt das Gemecker und Gezeter. »Lebkuchenhäuser! Im September!« Menschen, die so denken, dürften wenig Genuss am Bundesliga-Spiel zwischen Borussia Dortmund und VfB Stuttgart gefunden haben. Jürgen Klopp und Armin Veh machten nämlich etwas Unerhörtes: Sie stellten ihre Teams in einer Tannenbaum-Formation auf! Und das im September!

Stuttgart blockiert den Dortmunder Spielaufbau

Was auf den ersten Blick wie ein weiterer Erfolg der Weihnachtsmafia aussieht, hatte in Wahrheit handfeste taktische Gründe. Veh hatte sich einen Plan zurechtgelegt, um den Spielaufbau der Dortmunder zu stoppen: Sein Team verteidigte in einem 4-3-2-1, bekannt als Tannenbaum-Formation, und lenkte das Spiel bewusst auf Neven Subotic. Dafür blockierten die beiden offensiven Mittelfeldspieler die Passwege zu den Außenverteidigern, während Stürmer Timo Werner BVB-Verteidiger Sokratis in Manndeckung nahm. Neven Subotic schlug dadurch 110 Pässe, eine Statistik, die fast an Bayern-München-Verhältnisse erinnert.

Dahinter verfolgte die Dreierreihe das Dortmunder Mittelfeld. Die Stuttgarter arbeiteten dabei sehr mannorientiert und standen extrem kompakt im Zentrum. Ihr Ziel war es, den Spielaufbau aus dem Zentrum und von Dortmunds rechter Seite wegzulenken. Für den halbrechts agierenden Innenverteidiger Subotic blieb oft nur der Flügelwechsel nach links. Fast 80% der Dortmunder Angriffe liefen über die Außen.

Offensive Anlaufschwierigkeiten

Lange Zeit konnte der BVB so kaum Raumgewinn verbuchen. Nach und nach versuchten die Dortmunder, das Zentrum besser zu bespielen. Sie agierten ebenfalls in einer Tannenbaum-Formation, wobei Aubameyang oftmals aus dem Sturm nach hinten kippte, um diese Formation zu ermöglichen. Aubameyangs Bewegungen waren besonders dann effektiv, wenn der BVB mit schnellen Seitenverlagerungen das Spiel öffnete.