Dortmund will den DFB-Pokal

Die große Sehnsucht

Wie fühlt sich der DFB-Pokal an? Kalt? Warm? Glatt? Schön? 19 Jahre nach dem letzten Triumph will Borussia Dortmund endlich wieder die Vase anfassen. Doch ausgerechnet jetzt kommt das unberechenbare Hoffenheim. Imago Wie fühlt sich der DFB-Pokal an? Michael Zorc stutzt. Was soll er auf diese Frage antworten? Kalt? Warm? Glatt? Schön? Der Sportdirektor von Borussia Dortmund sagt, dass er es nicht mehr wisse, weil der Tag, an dem er den Pokal in den Himmel über Berlin stemmen durfte, einfach zu lange her sei.

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Es war 1989, die Sonne schien, und damals, vor beinahe 19 Jahren, gewann Zorc gemeinsam mit Andy Möller, Frank Mill und Norbert Dickel im Endspiel mit 4:1 gegen Werder Bremen. "Es war ein großartiges Erlebnis", sagt der Dortmunder. Das weiß er natürlich noch sehr genau. Ebenso weiß er, dass mit jenem Triumph von Berlin eine schwarze Serie begann. Nie mehr, seit diesem 24. Juni, sollte die Borussia auch nur das Halbfinale im DFB-Pokal erreichen.

Selbst die teuersten Teams scheiterten

Jedes Jahr haben die Schwarzgelben einen neuen Anlauf unternommen, und jedes Mal scheiterten selbst jene Mannschaften, die mit sagenhaften Summen aufgerüstet worden waren. Oft genug in der ersten Runde. Entsprechend groß ist die Sehnsucht in diesen Tagen, es endlich noch einmal nach Berlin zu schaffen.

"Das Halbfinale ist ein riesengroßes Ziel", betont BVB-Trainer Thomas Doll, der sein Team vor dem heutigen Duell mit der TSG Hoffenheim (19 Uhr) zum klaren Favoriten erklärt. "Würde ich das nicht tun, würde doch jeder sagen, der Doll hat einen an der Waffel."

Würde man das wirklich? Natürlich sind die Hoffenheimer zweitklassig, natürlich muss der Klub auf fremden Rasen antreten, aber ebenso richtig ist, dass man diese Truppe nicht mehr mit normalen Maßstäben messen kann. Denn das Team von Trainer Ralf Rangnick ist gerade erst auf die Überholspur Richtung Bundesliga eingebogen. 4:2 gegen Borussia Mönchengladbach, 1:0 bei 1860 München, 2:0 gegen den SC Freiburg - lauten die letzten Ergebnisse, die anzeigen, wie viel Qualität in dieser Millionen-Elf steckt.

Bezeichnend war der Kommentar von Freiburg-Coach Robin Dutt, der nach der Niederlage seiner Mannschaft resignierend feststellte: "Hoffenheims Offensive gehört nicht in diese Liga." Es werde Zeit, "dass der Spuk endlich vorbei" gehe. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass der Mann bald erlöst sein wird. Eher früher als später werden die TSG-Stürmer Ba und Obasi, oder die Mittelfeld-Außen Teber und Carlos Eduardo, in der Bundesliga zaubern. Womöglich sogar schon nach der Sommerpause.

Das alles weiß man selbstverständlich auch in Dortmund. Trainer Doll hat sich die Partie der Hoffenheimer bei 1860 angeguckt. Und er war beeindruckt: "Es ist eine kompakte, unangenehm zu spielende Mannschaft, gegen die wir von der ersten Minute an vollkommen konzentriert sein müssen", so der Fußball-Lehrer, der resümierte: "Dieses Spiel wird kein Selbstläufer."

Im Niemandsland der Tabelle

Entsprechend gewissenhaft gehen die Borussen die Vorbereitung an. Gegnerbeobachtung, abgestimmte Ernährung, Videoanalyse, Geheimtraining - Thomas Doll zieht alle Register. Und das ist nur zu verständlich, denn nachdem der BVB im Niemandsland der Bundesliga dümpelt, bietet der Pokal plötzlich die Chance, endlich mal wieder an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen zu können. Das haben auch die Fans begriffen. Der BVB rechnet mit über 50 000 Zuschauern.