Dortmund punktet in Rostock

Drei Punkte, Strand und Meer

Drei Punkte, Strand und Meer braucht der Fan um glücklich zu sein. Ähnlich sehen es sicher auch die Dortmunder Spieler, die nach einem Kurzaufenthalt an der Ostsee, „glückliche-Punkte“ aus dem Ostseestadion entführen. Nach Abpfiff schallte laute Musik aus der Dortmunder Kabine. Immer wieder war ein lautes „Ja“ zu vernehmen. Mit einem Lächeln traf man die Spieler in den Gängen des Ostseestadions an und dies lies vermuten, wie wichtig der Auswärtssieg in Rostock war. Für den BVB scheint die Saison nun endlich zu beginnen. Nach einer überzeugenden Vorstellung vor heimischen Publikum (3:0 gegen Cottbus) war man mit großen Erwartungen nach Rostock gereist. Der BVB schien nahezu prädestiniert, einen Auswärtssieg zu landen. Schließlich war Rostock vor diesem Spiel Tabellenletzter, hatte null Punkte und wies ein Torverhältnis von 1 zu 6 auf. Doch genau darin lag die Krux. Dortmund erwies sich in der Vergangenheit oft als Retter für in Krisen befindende Mannschaften. Ebenfalls schaffte man es selten, an eine gute Leistung anzuknüpfen und erstickte jede aufkommende Euphorie meist schon im darauffolgenden Spiel. 1:0 in Rostock – Jaaaa!

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Ausgangslage

Die Hoffnungen der Hanseaten lagen auf den Schultern des Neuzugangs Victor Agali. Agali trug bereits von 1998 – 2001 das Trikot der Rostocker und erzielte in 66 Bundesligaspielen 17 Tore, bis er damals für rund 10 Millionen DM zu unseren „neuen“ Freunden nach Gelsenkirchen wechselte. In Gelsenkirchen konnte er den Erwartungen nicht gerecht werden und wechselte zu einem Verein in die Türkei. Nach nur einem Tor in drei Spielen erhoffen sich die Rostocker eine Belebung ihres Angriffs. Auf Dortmunder Seite musste Petric seinen Platz für Klimowicz, dem zweifachen Torschützen aus dem Cottbus Spiel, räumen. Ansonsten trat der BVB mit der Mannschaft aus dem letzten Heimspiel an.

Taktik

Der BVB spielte in einem 4-4-2-System mit einer Raute im Mittelfeld, in der Federico den „Spielmacher“-Part hinter den Spitzen übernahm. Tinga spielte wie schon gegen Cottbus zentral vor der Abwehr. Pagelsdorf hatte seiner Mannschaft ein 4-2-2-2-System verpasst und spielte mit einer Doppel-Sechs vor der Abwehr.

Zum Spiel

Die ersten Minuten gehörten alleine den Dortmundern. Der Ball lief gut durch die Reihen, das Kombinationsspiel wirkte sicher und es wurde durchaus aggressiv zu Werke gegangen. Chancen, oder besser gesagt gute Möglichkeiten, waren in der zweiten und fünften Minute die Konsequenz. Die Hansa Kogge wirkte in den ersten 15 Minuten verunsichert. Ein strammer Schuss von Valdez verfehlte das Tor nur knapp (13. Minute). Die erste gute Möglichkeit hatte Rostock in der 18. Minute. Der Begriff „Möglichkeit“ bzw. „Torchance“ ist in diesem Fall allerdings untertrieben. Zunächst verliert Wörns das Kopfballduell gegen Agali, der den Ball gegen den Innenpfosten köpft. Von diesemPfosten springt der Ball erneut vor die Füße von Agali, der sich eigentlich aussuchen kann, mit welchem Körperteil er den Ball in das Tor bugsiert. Nach einigen gefühlten Sekunden schafft es Wörns irgendwie dem grübelnden Agali den Ball wegzuspitzeln. Alleine diese Szene rechtfertigt eine Umbenennung von Borussia Dortmund in Fortuna Dortmund an diesem Nachmittag. Aus Rostocker Sicht kann man nur sagen „Hast du schxxx am Fuß, hast du schxxx am Fuß.“ Die Dortmunder schienen von ihrem Glück dermaßen geschockt zu sein, dass sie von nun an den Hanseaten das Spiel überließen. Zwar kam man noch gelegentlich gefährlich vor das Rostocker Tor, jedoch überlies man mehr und mehr den Hanseaten das Spiel. An Stelle von dem ansehnlichen Kombinationsspiel aus den ersten Minuten, lebte das Spiel von nun an nur von langen Pässen, die selten den Mitspieler erreichten und war von vielen Zufällen geprägt . Das Spiel enthielt viel K(r)ampf und Einsatz, ohne dabei in „Brutalität“ auszuarten. Auffälligster Dortmunder Akteure waren Klimowicz, Federico und Kringe, auf Rostocker Seite Agali, der Wörns in so manch packenden Zweikampf verwickelte. Dabei muss erwähnt werden, dass Wörns meist eine gute Figur abgab. Jedoch gelang es Agali in der 32. Minute sich gegenüber Wörns durchzusetzen und für seinen Sturmkollegen aufzulegen. Dieser scheiterte jedoch am Aluminium. Über einen Rückstand hätte sich zu diesem Zeitpunkt kein Dortmunder beschweren dürfen. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit kam der BVB noch einmal gefährlich vor das gegnerische Gehäuse. Klimo legte den Ball mustergültig für Valdez auf, dieser verzog freistehend aus 15 Metern. Fazit der ersten Halbzeit: Rostock hatte die klar besseren Torchancen und hätte zu diesem Zeitpunkt führen müssen. Das Dortmunder Mittelfeld bestand nur aus den Personen Federico und Kringe. Tinga und Kuba hingegen fielen nur durch eine Vielzahl von Fehlpässen und verlorenen Zweikämpfen auf. Besonders Kuba verzettelte sich immer wieder in Zweikämpfen, spielte ein, zwei Gegenspieler aus um dann am dritten zu scheitern.

Die zweite Halbzeit begann ohne nennenswerte Aktionen. Das erste erwähnenswerte Highlight ist aus der 60. Minute zu vermelden, in der Christian Wörns einen „katastrophalen“ Rückpass aus dem Mittelfeld zum Torwart spielt, was letztlich in einer Ecke für Rostock endet. Passend zum Spiel begann der Dortmunder Fanblock „Leuchte auf mein Stern Borussia“ anzustimmen, ein Lied, mit dem ich meine Kinder in den Schlaf singe. Noch rechtzeitig aus der Tiefschlafphase erwacht, taucht der BVB in der 62. Minute gefährlich vor dem Rostocker Gehäuse auf. Hoffnung auf ein Powerplay der Dortmunder verlaufen im Ostseesand. Die erste Großchance für die Hanseaten in der zweiten Halbzeit hat Enrico Kern in der 70. Minute. Die Dortmunder Innenverteidiger lassen ihn am 16-Meter-Raum an der freien Leine laufen. Allerdings reicht ihm ein Sicherheitsabstand von knapp zwei Metern zu seinen Gegenspielern nicht aus, um den Ball im Dortmunder Kasten unterzubringen. Dunkle Wolken zogen über dem Ostseestadion auf – ein Unwetter lag in der Luft. Dieses Unwetter entlud sich in der Person von Federico im 16-Meter-Raum der Rostocker. Nachdem sein Schuss beim ersten Versuch noch abgeblockt wurde, wuchtete er den „Nachschuss“ mit dem linken Fuß in die Maschen. Der Geistesblitz von Federico schlug auf das Gemüt aller Rostocker. Die Messe war in der 76. Minute gelesen. Zwar war man auf Roctocker-Seite weiterhin bemüht den Ausgleich zu erzielen, doch reichten die Mittel nicht aus, die Dortmunder erneut in arge Bedrängnis zu bringen. In der 74. Minute hätte der inzwischen für Valdez eingewechselte Petric das 2:0 erzielen müssen. Nach einem gravierenden Abwehrfehler lief er alleine auf Torwart Wächter zu und schaffte es den Ball am Tor vorbei zu zaubern. Es wird gemunkelt, dass Agali und Petric auf derselben Zauberschule gelernt haben. Auf einer anderen Schule, nämlich der für Schauspielerei muss Degen Nachhilfe genommen haben. Nach einem „normalen“ Foul von Agali fällt er theatralisch zu Boden und markiert den "sterbenden Schwan.2 Als Beobachter musste man von dem Schlimmsten ausgehen. Doch dank ein paar Worten (Zaubersp rüchen) des Schiedsrichters konnte Degen wie von Zauberhand alleine aufstehen und weiterspielen. Nicht mehr weiterspielen konnte Dede, der mit einem leichten Muskelfaserriss verletzt ausgewechselt werden musste. In den letzten drei Minuten übernahm Kringe die linke Verteidigerposition und der eingewechselte Kruska übernahm den Part von Kringe. Dortmund schaukelte den Sieg über die Zeit und lies nichts mehr anbrennen. Fazit: Über ein Unentschieden hätten sich die Dortmunder sicherlich nicht beschweren dürfen. Eine wichtige Erkenntis aus Dortmunder Sicht ist , dass man erneut zu 0 gespielt hat und man eine Mannschaft besiegten konnte, die an ihrem Limit gespielt hat. Auch gegen solch eine Manschaft muss man erst einmal Auswärts bestehen.

Stimmung


Die knapp 1.500 Dortmunder konnten stimmungstechnisch gesehen kaum Akzente setzen, was sicherlich auch an der beeindruckenden Leistung des Rostocker Heimpublikums lag. Schon beim Einlaufen der Mannschaften präsentierten sich die Heimblöcke von ihrer besten Seite. Eine kleine, aber feine Choreographie auf der „Tribüne-im-Süden“ gab einen passenden Rahmen für das bevorstehende Spiel ab. Eine weitere Besonderheit am Ostseestadion ist, dass die Stehplatz und Fanblöcke in den Ecken des Stadions verteilt sind. Besonders die Süd-West Ecke fiel durch einen „Dauer-Support“ auf.So mancher Fangesang bewirkte bei dem ein oder anderem Dortmund-Fan ein Schmunzeln im Gesicht („Die Nummer 1 im Pott sind wir“ oder „Ihr seit Wessis, asoziale Wessis, schlaft unter Brücken“ usw.). Der Dortmunder-Block kochte zum ersten Mal nach dem 1:0, was hingegen bei den Hanseaten zu einer Schweigeminute führte, eher man wieder die Mannschaft unterstützte. Am Ende hallte ein lautes „DER BVB IST WIEDER DA!“ durch das ganze Stadion und man hörte so manch einen Stein von den Dortmunder herzen fallen.
Erstaunlicher Weise war das Zuschauerinteresse sehr gering. Aus Dortmund wurde nur das halbe Kontingent abgefragt. Vielleicht lag es einfach auch daran, dass viele nicht mehr an ein Durchkommen bei der Mitgliederhotline glauben (Vorsicht: Ironi). Anders kann man es sich kaum erklären, zumal Rostock kulturell und landschaftlich mehr zu bieten hat, als viele andere Bundesligastädte.