Dortmund nach dem Juve-Spiel

»Das müssen wir besser verteidigen«

Denn wo es im Spiel nach vorne ein zartes Frühlingserwachen gibt (zu dem auch das frühe Jagen des Gegners in Ballbesitz gehört), so wenig trifft das auf den anderen Teil des Spiels zu. Da brauchen wir nicht großformatig über das »Defensivverhalten« und das ganze »die Verteidigung fängt schon vorne an«-Zeug zu reden. Nein, die Elementarstufe funktioniert nicht: in der Verteidigung richtig positioniert sein und die Zweikämpfe klar und sauber gewinnen. Selbst gegen einem, bei allem Respekt, lachhaft ungefährlichen Gegner wie dem VfB Stuttgart gab es letzten Freitag zwei Gegentore. In Turin verlor der BVB durch zwei Tore, die in Geschenkbändchen verpackt waren. In der zweiten Halbzeit hätte es sogar noch schlimmer kommen können, gut dass Juventus die schlechteste Chancenverwertung aller Achtelfinalisten hat.

Kann es der BVB wirklich besser?

»Das können und müssen wir besser verteidigen«, sagte Klopp über die beiden Gegentore, aber ist das so? Können sie im Moment wirklich besser verteidigen? Nun gab es ein paar Entschuldigungen, weil der schwarz-gelbe Sisyphos immer wieder neue Erkrankungen und Verletzungen hat. In Turin hatte schon es zur Halbzeit die Hälfte der Vierrekette erwischt. Lukasz Piszeck, der wahrscheinlich wochenlang fehlen wird, und Sokratis waren raus. Aber ist Matthias Ginter wirklich ein Spieler, der den Anforderungen eines Achtelfinales der Champions League schon genügt, und genügt Roman Weidenfeller ihnen noch? Das 1:0 musste auch er sich schlecht schreiben lassen, und irgendwie ist auch schon länger kein Spiel mehr in Erinnerung, dass er seiner Mannschaft gewonnen hat. Mats Hummels sucht nach all den Post-WM-Verletzungen verständlicher Weise seine Form, und all das führt dazu, dass der zwölfte Mann beim BVB derzeit der Fehlerteufel ist.

»Nach dem 1:1 dachte ich, dass mehr drin ist«, sagte Marco Reus, »aber es hat uns nicht so viel Sicherheit gegeben.« Aber wie soll man auch Sicherheit bekommen, wenn man jederzeit das Gefühl hat, dass die Kollegen hinten einen reinlassen? Daher wundert es auch ein wenig, wie optimistisch die Dortmunder nach dem Spiel waren. Dass »der Leistungsstand nicht groß unterschiedlich« ist zwischen den beiden Mannschaften, stellte Weidenfeller etwa fest. Jürgen Klopp sprach angesichts des Spielverlaufs von einem »Top-Ergebnis«. Aber er weiß um die Tücken des Rückspiels. Sicher: Borussia Dortmund wäre mit einem schnöden 1:0-Sieg im Viertelfinale. Aber »zu Null«, das ist ein Paradies, dem der BVB im Moment noch sehr fern scheint.