Dortmund hat die Sommerpause dringend nötig

Nicht nur das Ende einer sportlichen Ära

Vielleicht haben die Dortmunder Fans in den vergangenen Jahren zu viele Endspiele erleben dürfen, als dass sie das einzelne noch würdigen konnten. Zugleich war eine unangenehme Selbstbesoffenheit darüber, wie toll man ist, mit den Händen zu greifen. Deprimierend um sich selbst kreisend zudem die Dortmunder Ultras, die das Olympiastadion zu Anpfiff in eine stinkende gelbe Rauchwolke tauchten und die Bühne des Pokalfinales nutzten, um geraubte Banner und Trikots ihrer Wolfsburger Gegenüber als Kriegstrophäe zu präsentieren.

Dieses Finale artete zum Marketingstunt aus

Nein, der dritte Besuch in Berlin innerhalb von vier Jahren war in jeder Hinsicht der deprimierendste. 2012 hatte das noch den Zauber rotbäckiger Aufregung gehabt, der sich niemand entziehen konnte, der den BVB nicht radikal ablehnte. Auf dem Platz und auf den Rängen konnte man damals eine Beseeltheit erleben, die man so in Deutschland kaum kannte. Im vergangenen Jahr ging das, wieder gegen die Bayern, noch leidlich als Kulturkampf durch.

Doch in diesem Jahr verwandelte der Klub seinem Berlinausflug in einen Marketingstunt mit BVB-Fahrradrikschas, Sprühkreide-Brandings, Stadionwurst auf Achse, Transportern mit LED-Plakaten und verteilte 32.000 Tüten mit Weingummi-Herzen. Irgendwie machte das den Eindruck, als würde man sich selbst nicht mehr trauen.

Alle nicht meh richtig bei sich

Vor drei Jahren, als Borussia Dortmund mit einem traumhaften 5:2-Finalsieg über Bayern München in Berlin das Double gewann, war »Echte Liebe« der bestmögliche Claim. An diesem Pokalwochenende wirkte es so, als hätte diese echte Liebe sich inzwischen selbst verzehrt. Zu beschauen waren jedenfalls eine Mannschaft, ein Klub und Fans, die alle nicht mehr so richtig bei sich sind. Gut, dass es jetzt eine Sommerpause gibt, denn es gibt mehr aufzuarbeiten als nur das Ende einer sportlichen Ära.