Dortmund auf Trainersuche?

Ein weißhaariges Gespenst

Eine Frage überlagert Dortmunds 3:2 gegen Stuttgart und die Arbeit von Thomas Doll: Will die Borussia Leo Beenhakker als Trainer? Insider halten es für ausgeschlossen, dass Thomas Doll länger in Dortmund Trainer bleiben wird. Dortmund auf Trainersuche?imago images
Michael Zorc, dem Sport- direktor von Borussia Dortmund, war die Nervosität deutlich anzumerken. Obwohl sein Verein zur Halbzeit des Bundesliga-Heimspiels gegen den VfB Stuttgart 1:0 führte und Zorc fand, die Elf spiele im Vergleich zum 0:0 am Freitag gegen den 1. FC Nürnberg an gleicher Stelle »wie ausgewechselt«, hatte er doch Mühe, die Form zu wahren, als er vor laufender Kamera mit der jüngsten Meldung konfrontiert wurde, wer in Dortmund künftig die Mannschaft zusammen- und aufstellen soll. »Unser Trainer ist Thomas Doll«, zischte Zorc genervt: »Wir haben mit keinem Trainer gesprochen. Weder direkt noch über Mittelsmänner.« Von nun an werde er auf alle Fragen zu dem Thema schlicht schweigen. Denn: »Das ist einfach unwürdig.«

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Die deutliche Wortwahl lässt ahnen, wie sehr das Thema den Klub beschäftigt: So sehr, dass selbst ordentliche Leistungen wie der 3:2 (1:0)-Erfolg gegen den VfB Stuttgart am Dienstagabend davon überlagert werden. Die Stuttgarter hatten die Partie frech begonnen, wurden für ihr mutiges Auf-Nach-Vorne! aber vom Brasilianer Tinga bei erster Gelegenheit bestraft (1:0/35.).

Nach dem Seitenwechsel trafen Mario Gomez und Alexander Frei zweimal - in der Reihenfolge: Gomez (55./ein trockener Schuss aus kurzer Distanz), Frei (59./ein frech verwandelter, direkter Freistoß, der VfB-Torhüter Raphael Schäfer schlecht aussehen ließ), Frei (79./Rechtsschuss nach Zuspiel von Valdez) und Gomez (83./sehenswerter Flachschuss von der Strafraumgrenze).

An anderen Tagen wäre der doppelte Doppelpack ein großes Thema gewesen. An diesem Dienstag aber war ein weißhaariger Mann das große Thema, der in Dortmund gar nicht am Ball war: Leo Beenhakker. Borussia Dortmund soll ihm das Angebot gemacht haben, ab der kommenden Saison neuer Trainer des Klubs zu werden und den glücklosen Thomas Doll abzulösen. Das meldet das holländische Online-Fußballmagazin elf-voetbal unter Berufung auf seriöse Quellen. Beenhakker sei über einen Mittelsmann angesprochen worden und habe sich vom BVB Bedenkzeit erbeten. Beenhakker selbst sagte am Dienstag der angesehenen holländischen Tageszeitung de Telegraaf wörtlich: »Ich will mich mit Polen zuerst ganz auf die EM konzentrieren. Ich habe deshalb Dortmund erst einmal abgesagt.«

Verantwortliche dementieren

Zur Zeit steht der Holländer Beenhakker in Diensten des Polnischen Fußballverbands und hat die polnische Nationalmannschaft souverän zur EM 2008 in der Schweiz und Österreich geführt. Davor hatte Beenhakker sensationell das Außenseiter-Team von Trinidad und Tobago zur WM 2006 in Deutschland gecoacht, wo sich die Mannschaft hervorragend aus der Affäre zog.

Wir Zorc dementierte auch Dortmunds Vorstandschef Hans-Joachim Watzke die Meldung am Dienstag: »Wir haben mit Herrn Beenhakker nicht gesprochen.« Allerdings wollte Watzke sich nicht dazu äußern, ob es mit dem Trainer-Star über Mittelsmänner Kontakt gegeben hat. Bisher hatte der BVB jede Trainerdiskussion um Thomas Doll bestritten, zugleich aber stets darauf verwiesen, am Ende der Saison eine »kritische Analyse der Perspektiven« vornehmen zu wollen.

Insider in Dortmund halten es, trotz der glücklichen Qualifikation des BVB für den Uefa-Cup über die Hintertür des DFB-Pokals, für ausgeschlossen, dass Doll über das Saisonende hinaus als Trainer gehalten werde. Der schwache Tabellenplatz und die spielerischen Rückschritte des zum Teil prominent besetzten Kaders werden zum Gutteil Doll angelastet. Dolls Vertrag war im Winter um zwei Jahre bis 2010 verlängert worden, allerdings mit einer Ausstiegsklausel und einer festgeschriebenen Abfindungssumme.

Der 65-jährige Beenhakker war im Tagesgeschäft des Top-Vereins-Fußballs zuletzt von 2000 bis 2003 bei Ajax Amsterdam als Technischer Direktor tätig. 2007 betreute er übergangsweise Feyenoord Rotterdam. Mit Real Madrid gewann er 1987 bis 1989 drei spanische Meisterschaften und einmal das Double, mit Ajax und Feyenoord insgesamt drei holländische Titel. Als Problem bei der Verpflichtung Beenhakkers könnte sich herausstellen, dass Dortmund sich Ende 2006 im Unfrieden von dessen Landsmann Bert van Marwijk getrennt hatte.

Gegenüber de Telegraaf deutete der gewiefte Beenhakker allerdings an, nach der EM seinen Vertrag mit dem polnischen Verband nicht unbedingt fortsetzen zu wollen. Polens Fußball wird durch einen Korruptionsskandal erschüttert, die Führung des Verbandes wird demnächst wechseln. »Ob ich mit den Leuten, die dann übernehmen, so gut auskomme, wie mit der jetzigen Leitung, muss man erst einmal sehen.« Nach der EM, so Beenhakker, stehe er daher »für Gespräche zur Verfügung«. Auch mit Dortmund.