Diskriminierung beim FC Basel

Alle gleich, außer Frauen

Der FC Basel feiert seinen 125. Geburtstag mit einer großen Gala. Und während die Herrenmannschaft sich das 3-Gänge-Menü schmecken lässt, dürfen die Frauen schuften.

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Die Schweiz ist ein erstaunliches Land. Dank der mehr als 1500 Seen innerhalb der Landesgrenzen ist man zum Beispiel nie mehr als 16 Kilometer von einem See entfernt. Die Schweizer Luftwaffe steht nur zu Bürozeiten zur Verfügung. Außerdem gelten Meerschweinchen in der Schweiz als soziale Tiere. Ihre Besitzer sind daher verpflichtet, mindestens zwei davon zu halten, damit kein Meerschweinchen allein und einsam sein muss. 



Vielleicht also hätten sie beim FC Basel mehr Sensibilität an den Tag gelegt, wenn es um Meerschweinchen gegangen wäre. So aber haben sie es gründlich, Verzeihung, verbaselt beim Schweizer Serienmeister, als es vergangene Woche beim Gala-Dinner zum 125-jährigen Vereinsjubiläum darum ging, das Frauenteam des Klubs in die Festivitäten einzubinden.

Das »glückliche« Frauenteam

Denn während des Herrenteam im Festsaal Platz nahm und sich das Drei-Gänge-Menü an den Gaumen gab, huschten ihre weiblichen Pendants in eigens angefertigten Jubiläums-Shirts durch die Reihen und zwischen den 1250 Gästen herum. Nicht um sich für ihre einzigartige Rolle in der Geschichte des Klubs feiern zu lassen oder um von Gesprächspartner zu Gesprächspartner zu eilen. Nein, einzig und allein um Tickets für die Tombola an die Gäste zu bringen.

Gestört hat das offenbar keine der jungen Frauen. Auch nicht, dass sie im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen lediglich mit ein paar Sandwiches abgespeist wurden. In einem Nebenraum. 

Kein Problem? Doch!



Auch alles kein Problem, sagte der Klub hinterher gegenüber »CNN Sport«: »Das Frauenteam wurde im Vorfeld der Veranstaltung um Hilfe gebeten und stimmte glücklich zu, zu helfen, da die Erlöse der Tombola den Frauen- und Jugendteams zugute kommen. Es haben viele Angestellte des Vereins geholfen. Auch das Frauenteam.« Warum das nicht für das Herrenteam galt, blieb offen.



Und so sagt auch die Schweizer Parlamentsabgeordnete Elisabeth Schneider-Schneiter: doch ein Problem! »Es ist wirklich erstaunlich. Ich bin vor allem aber auch erstaunt über die Reaktion der jungen Frauen und darüber, dass sie nichts gesagt haben. Ich kann mir vorstellen, dass sie (die Frauen) zu jung sind, um darin ein Problem zu sehen - ich denke, sie dachten, sie müssten eine Rolle erfüllen.«

Unschöne Tradition



Und das alles ausgerechnet bei dem Klub, der vor allem unter der Präsidentin Gisela »Gigi« Oeri (2006-11) auf ein anderes, in der Schweiz bis dahin völlig unbekanntes Level gehoben wurde. Ausgerechnet von einer, die in ihrer Jugend Geräteturnen betrieben hatte und keine Mannschaftssportarten mochte. Nach ihrer Präsidentschaft hatte sie ihr Bild überdacht, sagte: »Es ist schön, Teil eines Teams zu sein.« Vor allem, wenn es, so wie es auch in der Schweizer Verfassung geschrieben steht, Frauen und Männer gleichberechtigt behandelt.



Aber so erstaunlich die Schweiz auch ist. Auch dieses wunderbare Land hat so seine Laster. Und in Sachen Machismo eine unschöne Tradition. So wurde das Frauenstimmrecht erst am 16. März 1971 wirksam. Die Schweiz war somit eines der letzten europäischen Länder, welche ihrer weiblichen Bevölkerung die vollen Bürgerrechte zugestand.


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