Dirk Bremser im Interview

"Die Spieler können mich duzen."

Dirk Bremser über seine Rolle als Co-Trainer. NOTBREMSE: Wie viele Interviews musstest du in deiner Zeit bei 96 schon geben?

DIRK: Es konzentriert sich ja in erster Linie alles auf die Spieler, Cheftrainer und den Sportdirektor, das ist ganz klar, aber es kommt schon häufiger vor. Die Medienlandschaft ist ja schon recht groß hier.

NOTBREMSE: Als Co-Trainer bewegt man sich medial gesehen dennoch sehr häufig im Hintergrund. Stört dich das oder gefällt es dir sogar ganz gut?

DIRK: Für mich ist das Team wichtig. Worauf ich Einfluss nehmen kann und dass man da eine gute zwischenmenschliche Ebene herstellt. Das ist für mich sehr wichtig und dass das ganze Team für den Erfolg, aber auch Misserfolg mitverantwortlich ist. Der Trainer steht aber ganz klar an erster Stelle und ich versuche ihm den Rücken freizuhalten und bin mir da für nichts zu schade. Ich bin jetzt nicht der Typ, der sich permanent in der Zeitung sehen muss, denn ich bin nur ein Teil des Teams. So ist ja auch unsere Philosophie, alle die hier direkt mit der Mannschaft arbeiten, aber auch die anderen, die im Verein tätig sind und natürlich die Fans, gehören mit dazu.

NOTBREMSE: Was sind deine Aufgaben als Co-Trainer?

DIRK: Die sind natürlich sehr vielfältig. Im Prinzip sind das alle Aufgaben, die auch der Cheftrainer hat. Er steht natürlich viel mehr in der Verantwortung, weil er letztlich die Entscheidungen trifft. Wir sind halt ein gutes Team, weil wir uns mit vielen Dingen sehr kritisch auseinandersetzen. Wir haben auch nicht immer die gleiche Meinung, aber das macht die Arbeit erst fruchtbar. Meine Aufgaben bestehen halt im Trainingsaufbau, Trainingsdurchführung, alles in Absprache mit unserem Konditionstrainer, den Reha-Trainern, dem Torwart-Trainer und natürlich Dieter Hecking. Eine weitere Aufgabe ist die Spiel- und Spielerbeobachtung, wir verlassen uns zwar auf unsere Scoutingabteilung, aber Dieter und ich sind halt auch sehr gerne und viel Unterwegs und gucken Fußball. Hier wird kein Spieler spielen, der nicht von Hecking oder Bremser gesehen wurde. Das nimmt natürlich sehr viel Zeit in Anspruch, dazu kommen natürlich noch die ganzen eigenen Spiele sowie Taktikbesprechungen oder DVD-Schulungen. Ich habe halt den Vorteil, meine Familie wohnt an der Ostsee, so dass ich von morgens bis abends hier sein kann. Die Arbeit mache ich gerne und mit viel Freude. Ich fühle mich hier jetzt richtig wohl, sauwohl sogar und das ist die beste Voraussetzung, hier erfolgreich zu arbeiten.

NOTBREMSE: Bist du in die Verpflichtung neuer Spieler mit eingebunden?

DIRK: Ja, zu 100%. Es muss so sein, dass du mit dem Trainer und dem Sportdirektor ein gutes Team bist, gut zusammen arbeitest und von daher beraten wir alles gemeinsam. Wir tauschen unsere Meinungen aus und kommen zum Schluss auf einen gemeinsamen Nenner. Klar, wir haben natürlich auch sportliche Wünsche, können uns aber nur Schritt für Schritt nach oben arbeiten und müssen realistisch bleiben. Das Risiko muss überschaubar bleiben. Das Finanzielle klärt dann Christian Hochstätter mit Herrn Kind ab.

NOTBREMSE: Wie lange arbeitest du bereits mit Dieter Hecking zusammen, und wo habt ihr euch kennengelernt?

DIRK: In Lübeck, er hat gespielt, ich hab gespielt, bzw. ich war dann Co-Trainer unter Uwe Erkenbrecher. In Lübeck hätte ich noch weiterspielen können, bin dann dort aber Co-Trainer geworden, weil ich fand, dass sei ein sehr schöner Übergang. Ich wollte mir gewisse Dinge auch erst erarbeiten. Ich war dann ja auch fünf Monate dort Chef-Trainer, als Uwe Erkenbrecher nach Fürth gewechselt ist. Er wollte mich auch gerne mitnehmen, doch ich hab mich für Lübeck entschieden. Damals habe ich dann die Empfehlung ausgesprochen, mit Dieter Hecking die Gespräche zu suchen, weil er auch ein junger, dynamischer und akribischer Arbeiter ist, der sehr gut in ein Team passt. Das ist sowieso das Wichtigste im Fußball, im Team zu arbeiten. Nun arbeiten wir seit März 2001 zusammen. Wir haben uns gesucht und gefunden und auch gemeinsam als Trainer weiterentwickelt.

NOTBREMSE: Dieter Hecking hält es mit den Spielern ja so, dass er sie duzt, und sie ihn siezen müssen, selbst wenn sie vor Jahren schon einmal zusammengespielt haben und da natürlich das „du“ angewendet wurde. Sinnvoll?

DIRK: Ach, es kommt immer auf die Ansprache an. Dieter hat eine natürliche Autorität. Er hat ein gesundes Mittel zwischen der Kommunikation mit den Spielern, nicht unbedingt auf freundschaftlicher Art, sondern eher auf pädagogischer Basis. Wir wollen die Spieler ja weiterentwickeln. Der Trainer geht auf sie zu und hat immer ein offenes Ohr. Es ist aber trotzdem eine Respektsperson. Mich hingegen können die Spieler duzen, ich duze sie, und bin vielleicht noch ein bisschen näher an den Spielern dran. Da bin ich auch irgendwie ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft. Seit ich mit Dieter zusammen arbeite, wir schätzen uns gegenseitig sehr, filtere ich gewisse Dinge und versuche selber einiges mit den Spielern zu regeln. So können die Spieler mir auch was sagen und sich sicher sein, dass das nicht sofort beim Cheftrainer landet. Ich versuche dann einen guten Mittelweg zu finden, was ich weitergebe und was nicht. Da hat die Mannschaft auch Vertrauen zu mir. So haben wir schon immer gearbeitet, und wichtig ist einfach, dass wir immer authentisch bleiben und ehrlich den Spielern gegenüber sind. Mit Ehrlichkeit können die Spieler auch am meisten was anfangen, obwohl sie manchmal auch wehtut.

NOTBREMSE: Hast du jemals daran gedacht, Dieter Hecking nicht nach Hannover zu folgen und vielleicht das Amt in Aachen zu übernehmen?


DIRK: Ich hatte ja unabhängig von Dieter dort einen Vertrag und sie haben mich in Aachen auch gefragt, ob ich dort Cheftrainer werden wolle. Ich bilde mit Dieter ein sehr gutes und ein funktionierendes Team und somit war es für mich von Anfang an klar, und das habe ich in Aachen auch ganz ehrlich gesagt, dass ich den Weg mit Dieter weiter gehen möchte. Es war sicherlich nicht einfach aus Aachen wegzugehen, denn ich war auch stolz darauf, wie sich die Aachener, im Speziellen Jörg Schmadtke, um mich bemüht hatten. Das ist ja auch eine Wertschätzung. Man soll im Fußball immer vorsichtig sein mit Begriffen wie ‚Herzensangelegenheiten’. Für Dieter ist das hier in Hannover ganz klar eine Herzensangelegenheit. Ich versuche aber immer, mich mit dem Verein zu identifizieren. Das ist jetzt keine Rumschleimerei, sondern ich möchte immer Herzblut mit einbringen. Das geht natürlich nicht, wenn ich sage, ich geh jetzt nach Hannover und das ist jetzt mein absoluter Traumverein, denn das wäre nicht ehrlich. Das muss sich mit der Zeit entwickeln und ist für meine Arbeit unheimlich wichtig. Du musst den Spielern mit auf den Weg geben, wofür es sich lohnt zu arbeiten. Ich trag viel in meinem Herzen und das kann mir niemand mehr nehmen, dass ich mit Aachen im UEFA-Cup gespielt habe. Das kann ich irgendwann mal meinen Enkelkindern erzählen. Klar verdienen wir damit auch unser Geld, aber das Schönste sind doch die Erfolge.

NOTBREMSE: Möchtest du selbst einmal Cheftrainer werden?

DIRK: Die Frage ist mir schön häufig gestellt worden, doch ich bin der Meinung, ein funktionierendes Team soll man nicht Auseinandernehmen. Es passt im Team und es gibt für mich überhaupt keine Veranlassung da in näherer Zukunft etwas dran zu ändern. Ich bin in meiner Rolle sehr glücklich und ich kann zu 100% Leistung einbringen. Was in ein paar Jahren ist, kann man in der heutigen Zeit nie sagen.

Interview: Thomas Koch & Klaas Laufmöller


Das ausführliche Interview mit Dirk Bremser findet ihr in der Notbremse #44, welche gegen den Hamburger SV erschienen ist.