Dimitar Berbatov bei ManU

Entdeckung der Langsamkeit

Rund 38 Millionen Euro blätterte Manchester United für Dimitar Berbatov hin. Doch die Stimmen werden lauter, dass er gar nicht in das Team der Tempo-Fußballer passe. Ist er wirklich phlegmatisch – oder schlichtweg genial? Dimitar Berbatov bei ManUImago Warum er das wert war, schien Manchester ganz genau zu wissen: Sir Alex Ferguson sagte: »Er macht den Unterschied aus und gibt dem Team ganz neue Möglichkeiten.« Ein neues Level solle erreicht werden, interpretierten englische Medien. Ein Mittelstürmer, der Manchester United  wieder das gibt, was Éric Cantona im letzten Jahrzehnt dem Klub geben konnte, sollte in Old Trafford angekommen sein.

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Das Problem dabei: Als Cantona 1992 zu den Red Devils kam, empfing ihn der Klub zwar immerhin als Gewinner des Ligapokals, aber eben nicht, wie in diesem Jahr, als Gewinner der Champions-League. 1993 wurde der Verein mit dem Franzosen zum ersten Mal nach 26 Jahren wieder englischer Meister. Wenn ManU das in dieser Saison mit Berbatov schaffen würde, wäre seit dem letzten Titel gerade ein einziges Jahr vergangen.

Die Erwartung, mit dem Bulgaren auf ein anderes Level zu kommen, wird sich also nicht erfüllen. Was sollte dieses nächste Level auch sein?

Hinzu kommen Kritiker, die behaupten, dass der frühere Leverkusener mit seiner Körpersprache und seinem Spiel nicht überzeuge. Er passe nicht zum schnellen und dynamischen Stil von Rooney, Tevez, Ronaldo und Co.. Berbatovs Spiel sieht tatsächlich anders aus. Den Höchstgeschwindigkeits-Fußball, für den die ManU-Offensive bekannt ist, praktiziert er nicht. Er marschiert nicht im vollen Lauf durch das Halbfeld und drischt ab 20 Metern mit Vollspann in Richtung Innenpfosten.

Das macht Wayne Rooney so, Berbatov macht es eben anders. Es sieht langsamer aus, aber bestimmt nicht schlechter. Seine Art zu spielen, zeigte der heute 27-Jährige seinen Kritikern im Spiel gegen West Ham. Einem steilen Pass läuft er hinterher, stoppt ihn, dreht sich und hebt den Ball über die Beine seines Gegenspielers. Auf der Grundlinie trabt er, nach Cristiano Ronaldo suchend in Richtung Tor und spielt den Pass. Ronaldo muss nur noch den Fuß hinhalten.






Auch in Tottenham unterstellten ihm die Fans, dass es ein bisschen langsam wirke, wenn die  Nummer 9 am Ball ist. Die Wahrheit stellte jetzt der »Guardian« fest: Er ist nicht langsam - er beeilt sich nur nicht.