Dieser Argentinier schießt jede Woche ein Traumtor

Hui, der Funes


Kein Hahn hierzulande kräht nach Rogelio Funes Mori. Dabei ist der Argentinier eine Traumtor-Maschine. Und genau deswegen ein Stürmer, den man auf dem Zettel haben sollte. 

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An manchen Tagen küsst einen das Glück. Man erwischt morgens genau die S-Bahn, die einen pünktlich zur Arbeit fährt – und in dieser S-Bahn auch noch einen Sitzplatz. An der nächsten Station steigt kein nach Suff und Verderben riechender Outlaw ein und auch kein Fahrkartenkontrolleur. Auf dem Weg von der S-Bahn ins Büro findet man 5000 Euro in Bar, mindestens, und im Büro, wo an diesem Tag zum ersten Mal überhaupt die große Mitarbeiter-Tombola stattfindet, gewinnt man die große Mitarbeiter-Tombola.

Was gleichbedeutend mit einer vierwöchigen Reise auf die Malediven ist. Auf den Malediven sind 5000 Euro viel Geld und reichen, um endlich die eigene Strandbar zu eröffnen, die über Jahrzehnte hinweg Unmengen an Kohle abwirft und als einzige Strandbar der Malediven nicht dem Klimawandel zum Opfer fällt. Was für ein Tag!

Prügelnde Weihnachtsmänner und Julian Zietlow

Meint das Glück es allerdings ernst, küsst es einen so richtig, mit Zunge. Dann kommt zwar weder die S-Bahn pünktlich, noch findet man 5000 Euro auf der Straße oder inneren Frieden auf den Malediven. Dafür entdeckt man einen großartigen Fußballer, den man bisher nicht kannte. Einen, der beispielsweise aus Argentinien kommt und in Mittelamerika unter Vertrag steht. Wo er in schöner Regelmäßigkeit Traumtore erzielt und der in Zukunft das eigene, strandbarlose Leben aufhellen könnte. Einen Fußballer wie Rogelio Funes Mori.

Auf den stieß ich kürzlich an einem gewöhnlichen Wochentag. Ich fuhr den Rechner hoch, um erstmal, wie immer in den ersten drei, vier Stunden in der Redaktion, Videos aus irgendeinem Social-Media-Feed zu schauen. Zunächst das Übliche: ein paar besoffene, sich kloppende Amis in Weihnachtsmannkostümen, dann schon wieder der komische Vogel, der sich seit 107 Jahren ausschließlich von Pizza ernährt, danach ein Video, das beweist, was für abgefahrene Dinge junge Väter mit ihren Neugeborenen veranstalten.



Und als nächstes, die Geduld ist fast am Ende, ich werde gleich freiwillig arbeiten, lieber Arbeit als diese Folter, Julian Zietlow. Ein Influencer, den ich nicht kenne, den aber anscheinend so viele Leute kennen, dass er sogar Hater hat, deren Kohle er nach erfolgreich verlaufenen Beleidigungsklagen im Gucci-Shop am Kurfürstendamm auf den Kopf hauen kann. 



Wer schoss dieses Wahnsinnstor?

Doch plötzlich entdecke ich es. Ein Fußballvideo aus einem fernen Universum. Weder kenne ich die eingeblendeten Abkürzungen der Mannschaften (MTY gegen SAN), noch ordnet mein sonst für solche Fälle eigentlich gut geschultes Hirn die Trikots bestimmten Vereinen zu. Gleichzeitig ist das Bild zu scharf, um irgendeiner Gurkenliga zu entstammen. Ich kapiere nichts und schaue gewissermaßen blind dabei zu, wie der Ball rechts raus gespielt und von dort in die Mitte geflankt wird.

In der Mitte pflückt ein Angreifer, der mit dem Rücken zum Tor steht, den Ball elegant mit der Brust aus der Luft. Und hebt ab. Fallrückzieher. Flink, wuchtig, mit Überzeugung. Ein Wahnsinnstor. Aber auch nur eines unter vielen, denke ich. Und trotzdem interessiert mich, wer der Typ ist, der da grade quer in der Luft stand. Ich google seinen Namen.