Diesen Spieler sollte man sich heute mal genauer anschauen: Fabian Johnson

»Ich sehe mich derzeit schon in der besten Verfassung«

Schon zwei Jahre zuvor hatten sich der Trainerfuchs und seine rechte Hand Max Eberl um den Deutsch-Amerikaner bemüht – ohne Erfolg. Jetzt hielt Eberl das Trikot mit der Nummer »19« im Gladbacher Presseraum fest und verkündete stolz: »Fabian ist ein offensiv ausgerichteter Spieler.« Selbst Johnson dürfte überrascht gewesen sein und relativierte danach: »Als Außenverteidiger ist es die wichtigste Aufgabe für Stabilität zu sorgen. Aber ich schalte mich gerne ein, wenn es der Trainer verlangt.«

Er hatte ja keine Ahnung. Denn Favre hatte wohl nie vor, seinen Neuzugang als Außenverteidiger spielen zu lassen. 34 Spiele machte Johnson in seiner ersten Saison für die Fohlen-Elf. 27 auf der Position des offensiven Linksaußen. Lucien Favre hatte schon in Berliner Zeiten das Wort »Polyvalenz« geprägt. Ihm war wichtig, dass sich seine Spieler schnellstmöglich auf einen neuen Gegner und eine neue Situation einstellen können. Fabian Johnson kann das – ziemlich gut sogar.

Perfektes Zusammenspiel mit Stindl und Raffael

In der vergangenen Woche, beim 1:3 in Hamburg, wurde das erneut deutlich, als sich Andre Schubert eines alten Tricks seines Vorgängers bediente. Er brachte Ibrahima Traore in der Schlussphase, um den Offensivdruck noch einmal zu erhöhen. Thorgan Hazard wechselte nach links. Innenverteidiger Andreas Christensen rückte vor, Havard Nordveidt glich innen aus und Johnson glitt in die Viererkette. Nur sein Wechsel quer über den Platz machte den taktischen Wechsel von vier Personalien überhaupt möglich, auch wenn es für einen Punktgewinn nicht mehr reichen sollte.



Dabei hatte Johnson zum zwischenzeitlichen 1:0 getroffen. Denn in der Offensive harmoniert er, der zum Spieler der Hinrunde gewählt und Zweiter bei der Wahl zum US-Fußballer des Jahres wurde, perfekt mit Raffael und Lars Stindl. Keiner von ihnen ist Vollblutstürmer. Aber mit der Variabilität, dem ständigen Positionstausch aller drei mühte sich der HSV in der ersten Halbzeit zusehends und fing sich in einer unaufmerksamen Situation nach einem Konter direkt das Gegentor. Stindl, Raffael und Johnson erzielten zusammen 20 der 42 Gladbacher Saisontore und führen damit die interne Torjägerliste gemeinsam an.

In der Winterpause gab der mittlerweile 28-Jährige ein bemerkenswertes Interview: »Ich sehe mich derzeit schon in der besten Verfassung.« Ein starker Satz für jemanden, der früher immer besser werden wollte. Der Grund? - »Es ist eben leichter für einen Spieler, wenn er eine feste Position hat, so wie ich jetzt im linken Mittelfeld.« Unter Schubert spielt er zwar eher wie ein verkappter Mittelstürmer, der die Lücken im Zentrum sucht. Doch so oder so: Der Polyvalente scheint seine Position gefunden zu haben.

Erstes Tor nach fünf Minuten

Dabei begann die Hinrunde nicht sonderlich gut für Johnson. Zwischen dem ersten und sechsten Spieltag fiel er aufgrund eines Muskelfaserrisses aus. Gladbach verlor alle vier Spiele ohne ihn, schlussendlich nahm Favre seinen Hut. Eine Woche später, gegen den FC Augsburg, stand Johnson wieder auf dem Platz, traf nach fünf Minuten und ließ die Fohlen und Andre Schubert endlich wieder jubeln. Mit ihm starteten die Gladbacher in der Bundesliga eine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen in Folge, inklusive einem 3:1-Sieg gegen den FC Bayern.

Die Serie sollte erst gegen Leverkusen enden. Erstmals wieder auf der Verletztenliste? Fabian Johnson.

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