Diese Underdogs wollen die Großen aus dem Pokal werfen

»Pieles! Den kennt auch in Jena kaum jemand!«

FC Carl Zeiss Jena, Regionalliga
Für Jena war immer schon ein Platz in der Kathedrale unseres Herzens frei. Vor einigen Monaten vermeldete der Klub, dass der neue Trikotsponsor eine Heavy-Metal-Band aus Thüringen sei. Vergangens Jahr begleiteten 1300 Jena-Fans ihren Klub zu einem Vorbereitungsspiel gegen den AFC Newport County nach Wales. Jener AFC Newport County steht für einen Sehnsuchtsort, für die gute alte Zeit, als Jena das Finale im Europapokal der Pokalsieger erreichte. 1981 war das, und neben Newport County schaltete Carl Zeiss damals auch Teams wie den AS Rom, FC Valencia oder Benfica Lissabon aus. Erst das Finale gegen Tiflis ging verloren.

In den letzten 20 Jahren dümpelte Jena zwischen der Zweiten Liga und der Oberliga hin und her. Seit 2012 hat es sich der Klub in der Regionalliga Nordost gemütlich gemacht – wobei man nicht selten knapp am Aufstieg vorbeischrammte. Auch diese Saison geht der Blick nach oben, Jena ist momentan Dritter.

Der Pokalheld:
Als der HSV in der Nachspielzeit der Erstundenpartie das 2:2 markierte, mussten die Zuschauer unweigerlich an die Relegation denken. Dinos sterben nicht und der ganze Quatsch eben, zumal das Tor zum 1:1 irregulär war. Aber Jena kam zurück, spielte so gut, dass sogar der Sportschau-Kommentator ganz euphorisch ins Mikrofon japste: »Die Weißen, das ist nicht Real Madrid, das ist Carl Zeiss Jena!« Und dann, in der Verlängerung, machten die Thüringer tatsächlich das 3:2 – weiter Einwurf von Filip Krstic, Kopfball von Johannes Pieles, Tor. »Pieles! Den kennt auch in Jena kaum jemand!« Immerhin kennt transfermarkt.de den Stürmer: Marktwert 50.000 Euro, bisherige Vereine: CZ Jena Jugend, CZ Jena U17, CZ Jena U19. Geburtstort: Schleiz. Dort wiederum, so informiert Wikipedia, gibt es ein Schloss, in dem Napoleon Bonaparte vom 10. Oktober auf den 11. Oktober 1806 übernachtete.

Alte Bekannte:
Prominentester Spieler bei Jena ist René Klingbeil. Der kickte in der Bundesliga für den HSV und spielte von 2008 bis 2015 für Erzgebirge Aue. International ist er auch erfahren: 2006 kam er als Spieler des HSV auf zwei Einsätze in der Champions League. In der Saison 2007/08 war er für Viking FK in Norwegen aktiv. Dort lernte er unter anderem, dass die Seitenwahl in der Tippeligaen per Stein-Schere-Papier entschieden wird. Im Interview mit 11freunde.de verriet er mal: »Die Norweger sind ein bisschen bekloppt. Auch wenn wir gemeinsam am Tisch sitzen, fangen die plötzlich an, ›Stein, Schere, Papier‹ zu spielen. Der Verlierer muss für alle Kaffee holen.«
 
Der Gegner:
Eigentlich ist der Name selbsterklärend: VfB Stuttgart, das gegenwärtige Synonym für manchmal ganz ansehnlichen, aber meistens erfolglosen Fußball. Am Wochenende verloren die Schwaben nach einer 3:1-Führung 3:4 gegen Bayer Leverkusen und rutschten wieder auf Platz 16 der Tabelle ab. In der ersten Runde mühte sich Stuttgart mit Ach und Krach zu einem 2:1-Sieg gegen den Drittligisten aus Holstein Kiel. 1995/96 schieden die Stuttgarter übrigens gegen einen Regionalligisten aus: Vor 5000 Zuschauern setzte es für Bobic, Balakov, Elber und Co. nach Elfmeterschießen eine 14:15-Niederlage gegen Sandhausen. Trainer Alexander Zorniger zittert vor dem Spiel gegen Jena zumindest ein bisschen: »Wir müssen wissen, da wird es auf dem Platz ganz, ganz heiß hergehen.« Und auf den Rängen vermutlich auch. Carl Zeiss Jena hat das Ernst-Abbe-Sportfeld extra für dieses Spiel auf eine Kapazität von 18.000 ausgebaut.

Unser Lieblingsbild der Vereinsgeschichte:


Finale im Europapokal der Pokalsieger, 1981 (Zuschauer: 4750)