Diego bei Juventus in der Kritik

»Wie eine erloschene Kerze«

Als Held verließ Diego Bremen, nach nur vier Monaten bei Juventus ist sein Ruhm verblasst. Die Fans machen ihn für das Ausscheiden aus der Champions League verantwortlich. Doch die Ursachen liegen tiefer.  Diego bei Juventus in der Kritik Trainer Ciro Ferrara wackelt bedenklich, und Regisseur Diego würden die Tifosi am liebsten vom Hof jagen: Der italienische Fußball-Rekordmeister Juventus Turin steckt nach dem 1:4 (1:1) im Champions-League-»Endspiel« gegen Bayern München, der höchste Heimpleite im Europacup der Klubgeschichte, in der größten Krise seit dem Manipulationsskandal 2006.

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Schuld daran, darin sind sich Fans und Medien einig, haben Ferrara - und Diego. Diego wurde bei seiner Auswechslung nach einer erneut schwachen Leistung von den Zuschauern im Olympia-Stadion mit Buhrufen bedacht, gegen seinen Trainer gab es Sprechchöre: »Ferrara, geh nach Hause!´ Die Presse sah gar schon »das Scheitern des ganzen Ferrara-Projekts« (Gazzetta dello Sport). Der Ex-Bremer Diego indes habe gewirkt »wie eine längst erloschene Kerze«, ätzte La Stampa.

»Das ist eine sehr große Enttäuschung«

Obwohl die Juve erstmals seit der Saison 2000/01 wieder in der Vorrunde der Königsklasse gescheitert ist, gab Präsident Jean-Claude Blanc dem Druck der Öffentlichkeit (noch) nicht nach. Stattdessen sprach er Ferrara eine Job-Garantie aus. »Das ist eine sehr große Enttäuschung, aber wir müssen nach vorne schauen. Das Projekt endet nicht hier, es geht weiter. Ich kann bestätigen, dass wir mit ihm als Trainer weitermachen werden», sagte er. Ferrara selbst entschuldigte sich bei den Fans für die dürftige Leistung seiner Mannschaft. »Es tut mir leid für die Zuschauer, den Klub, für alle. Das war ein schwerer Schlag, die Bayern waren uns klar überlegen. Wir dürfen nicht nach Alibis suchen, wir müssen uns hinterfragen und Verantwortung übernehmen. Ich bin und wir sind es gewohnt, hart zu arbeiten - und genau das werden wir jetzt tun. Wir müssen den Neubeginn schaffen«, sagte er.

Wie das gelingen soll, ist jedoch fraglich. Zwar hat die Juve in der Serie A als Dritter nach 15 Spieltagen lediglich fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Inter Mailand. Doch weder Trainer noch Team haben die Qualität zu konstanten Höchstleistungen wie beim 2:1 gegen Inter am Wochenende.

Das liegt auch, aber nicht nur an Diego. Nach einem Traumstart warfen Verletzungen den Brasilianer zurück, seitdem sucht er seine Form. Von den Teamkollegen wird er aber meist auch im Stich gelassen, in Ferraras System fehlt die Unterstützung. »Das ist ein schwieriger Moment, in dem wir als Team aber nur wachsen können. Wir müssen jetzt unser wahres Gesicht zeigen«, sagte er. Seine eigene Leistung sah Diego selbstkritisch, die Fans hätten »zurecht gepfiffen, als ich ausgewechselt wurde«, fand er.

Immerhin: Juve gab sich als anständiger Verlierer. »Die Bayern haben wohl ihr bestes Saisonspiel gemacht, aber wir waren auch schlecht«, sagte Blanc über die erste Heimpleite in der Königsklasse nach 16 Spielen, und auch Abwehrchef Fabio Cannavaro, ein Schatten früherer Tage, betonte: »Bayern hat einfach toll gespielt und verdient gewonnen.« Für Juve gelte es nun, ergänzte der frühere Weltfußballer, die bis zur kurzen Winterpause ausstehenden Ligaspiele in Bari und gegen Catania zu gewinnen. Torhüter Gianluigi Buffon will dafür extra eine dringend notwendige Knie-Operation verschieben. Die Not ist groß bei der »Alten Dame«.