Die Zweite Liga als Durchgangsstation

Nächster Halt: Bundesliga

Jährlich kündigt das DSF »die stärkste Zweite Liga aller Zeiten« an. Warum nur? Eigentlich kein Gütekriterium, wenn Neulinge sich sofort an die Spitze setzen. Doch die Aufsteiger wandeln auf prominenten Pfaden. Wir blicken zurück. Die Zweite Liga als Durchgangsstation
Hochkonjunktur hatte der Durchmarsch ins Oberhaus in den neunziger Jahren. In Zeiten, in denen die Marke »Zweite Liga« noch ihr Profil suchte und Fortuna Köln so etwas wie das Aushängeschild der Liga war, gehörte es offenbar zum guten Ton, dass pro Saison ein Liganeuling mit seinem erneuten Aufstieg das Establishment aufmischte und alle Tippspiele des Landes über den Haufen warf.

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TSV 1860 München – 1993/94

Im Selbstverständnis der Löwen gehört man einfach in die Bundesliga. So waren die 13 Jahre zwischen 1981 und 1994 auch nur ein Betriebsunfall, dessen Korrektur sich nur etwas hingezogen hatte. Nach dem Lizenzentzug 1982 spielte man lange Jahre sogar nur in der drittklassigen Bayernliga, ehe 1992 ein Messias namens Werner Lorant auf der Trainerbank Platz nahm. Unter seiner Regie gewannen die Löwen 1993 die Bayernliga, schafften im darauffolgenden Jahr als Tabellendritter den direkten Durchmarsch in die Bundesliga und mauserten sich bis zum Jahr 2000 sogar zu einem Champions League-Teilnehmer. 2001 musste Werner „Beinhart“ nach einem 1:5 gegen Bayern München seinen Hut nehmen und sucht seither vergeblich nach seinem Erfolgsrezept vergangener Tage. Die »Sechzger« rutschten 2004 wieder in die Zweite Liga ab.

Fortuna Düsseldorf – 1994/95

Ganz offensichtlich ist ein exzentrischer Trainer bei einem darbenden Traditionsverein hin und wieder eine erfolgsversprechende Konstellation. Bei der Fortuna gelang es Traineridol Aleksandar Ristic nach dem freien Fall aus der Bundesliga in die Drittklassigkeit 1992 den Hebel umzulegen. Postwendend stiegen die Düsseldorfer wieder in die Zweite Liga auf und schafften mit dem dritten Platz im Folgejahr den Durchmarsch. Zwei Jahre später ging es – ohne Ristic – wieder runter. Jetzt kann Fortuna Düsseldorf, aktueller Tabellenführer in der Zweiten Liga und die Mutter aller Fahrstuhlmannschaften, der erste Verein werden, der zum zweiten Mal durch die Zweite Liga marschiert.

Arminia Bielefeld – 1995/96

Seit den späten Achtzigern mühte sich die Arminia in der Oberliga Westfalen um den Aufstieg zurück in den bezahlten Fußball. 1994 kehrte mit Manager Rüdiger Lamm die Finanzkraft und der Erfolg zurück. Plötzlich hieß man beim Boulevard »Arminia Vielegeld« und holte Stars wie Fritz Walter und Thomas von Heesen auf die Alm. Unter Trainer Ernst Middendorp gelang 1995 zunächst der Aufstieg ins Unterhaus, um direkt im Anschluss als Tabellenzweiter endlich wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Offensichtlich hat man am Rausch des Fahrstuhls Gefallen gefunden – seitdem stieg Bielefeld viermal ab und dreimal auf.

1. FC Nürnberg – 1997/98

Nachdem in der Saison 1996/97 kein Aufsteiger den Durchmarsch schaffte, legte ein Jahr später der 1. FC Nürnberg nach. Der Absturz in die Regionalliga Süd 1996 war der absolute Tiefpunkt in der Vereinshistorie, doch unter Willi Entenmann gelang der direkte Wiederaufstieg. In der Zweiten Liga übernahm ein gewisser Felix Magath den Trainerposten und feierte mit dem Durchmarsch seinen ersten nennenswerten Erfolg an der Seitenlinie. Der Club wurde seitdem immerhin DFB-Pokalsieger, stieg aber auch mehrmals ab und wieder auf.

SSV Ulm – 1998/99

Das Bundesligajahr 1999/2000 war der größte Erfolg in der Ulmer Vereinsgeschichte, da stört es auch kaum, dass es nur ein einjähriges Intermezzo war. Im Eiltempo war man unter dem aufstrebenden Trainertalent und »Fußballprofessor« Ralf Rangnick aus der Regionalliga Süd in die Bundesliga marschiert. Genauso schnell ging es allerdings auch wieder bergab. Dem Abschied aus der Bundesliga folgten der Abstieg aus der Zweiten Liga und der Lizenzentzug, durch den man bis in die Verbandsliga Württemberg abstürzte. Inzwischen hat man sich immerhin wieder bis in die viertklassige Regionalliga Süd hochgekämpft. In den letzten Jahren – und da haben die Kollegen vom DSF dann wohl doch nicht ganz Unrecht – ist es ganz offensichtlich schwieriger geworden, als Emporkömmling den etablierten Zweitligisten die lange Nase zu zeigen und in die Bundesliga durchzustarten. Nur einem einzigen Klub glückte dies seit der Jahrtausendwende – dem Überflieger unter all den Durchmarschierern.

TSG 1899 Hoffenheim – 2007/08

In 18 Jahren gelangen – seit Beginn der finanziellen Unterstützung durch Mäzen Dietmar Hopp – sage und schreibe sieben Aufstiege. Nach dem beispiellosen Sturm aus der Kreisliga A bis in die Regionalliga übernahm im Sommer 2006 Ralf Rangnick das Trainerkommando und schaffte es als erster Trainer, das Kunststück Durchmarsch in die Bundesliga zu wiederholen. Übrigens: Hoffenheim ist derzeit der einzige Verein, der sich nach dem direkten Durchmarsch in der ersten Liga halten konnte und noch nicht wieder in die Zweite Liga abgestiegen ist.